‚Saufen für den Führer‘ – Die Weinstadt Wittlich im Dritten Reich

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Bildquelle: stadt wittlich

Am Freitag, 13. Oktober um 19 Uhr hält Dr. Christof Krieger einen Vortrag „’Saufen für den Führer‘ – Die Weinstadt Wittlich im Dritten Reich“, in der CASA Tony M. in Wittlich.

Nie zuvor – und auch nie danach(!) – hat es in Deutschland eine gewaltigere Absatzaktion für die heimischen Winzer gegeben: Unter der eingängigen Parole „Wein ist Volksgetränk!“ entfaltete das NS-Regime in den Friedensjahren des Dritten Reiches eine groß angelegte Weinpropaganda, die das Trinken deutschen Rebensaftes als geradezu nationale Tat beschwor. Und mehr noch: Mitte der 1930er Jahre übernahmen annähernd 1.000 Städte von Ostpreußen bis nach Hinterpommern besondere „Weinpatenschaften“ für einzelne Winzerorte, wobei im Rahmen eines im ganzen Reich stattfindenden „Festes der deutschen Traube und des Weines“ vom Parteiapparat der NSDAP aus Solidarität mit dem notleidenden Winzerstand allerorten volkstümliche Weinfeste und Umzüge organisiert worden waren.

Auch die Stadt Wittlich, in der seit Römerzeiten Weinbau betrieben wurde, war bei diesem parteiamtlichen Werbespektakel – das vom Volksmund sogleich als „Saufen für den Führer“ verballhornt wurde – keineswegs übergangenen worden. Mit Essen und Duisburg hatte die Säubrennerstadt sogar zwei der größten Ruhrmetropolen als „Patenonkel“ zugeteilt erhalten, in denen während der Festwoche ausschließlich der heimische Rebensaft ausgeschenkt werden durfte – ob das die klassischen Biertrinker des Ruhrgebietes freute, ist eine andere Frage.

„’Saufen für den Führer‘ – Die Weinstadt Wittlich im Dritten Reich“, so lautet folgerichtig das Thema eines Vortrages, in dem der Traben-Trarbacher Museumsleiter Christof Krieger auf Einladung des Kulturamtes der Stadt Wittlich an dieses ungewöhnliche Ereignis vor 80 Jahren erinnern möchte. Der promovierte Historiker, der sich in seiner Doktorarbeit an der Universität Trier mit der nationalsozialistischen Weinpropaganda an Mosel, Saar und Ruwer beschäftigte, gibt anhand zumeist unveröffentlichter Quellen überraschende Einblicke in ein weithin unbekanntes Kapitel der Lokalgeschichte.

Der Eintritt zu diesem Vortrag ist frei. Aufgrund der begrenzten Anzahl von Plätzen wird um Anmeldung unter Telefon 06571/17 1355 oder per E-Mail info@kulturamt.wittlich.de gebeten.

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