Hitzige Diskussion: Was passiert nun mit der „Hitler-Glocke“?

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Die Bronzeglocke mit Hakenkreuz und dem Spruch «Alles fuer's Vaterland - Adolf Hitler».

Bildquelle: Foto: Uwe Anspach/ (dpa) Archiv

HERXHEIM AM BERG (dpa/lrs). Die sogenannte Hitler-Glocke im pfälzischen Herxheim am Berg erhitzt seit Monaten die Gemüter. Der Klangkörper, der alle Viertelstunde im Turm der Jakobskirche schlägt, trägt ein Hakenkreuz und die Aufschrift „Alles fuer’s Vaterland Adolf Hitler“.

In einem Zeitungsartikel hatte eine pensionierte Lehrerin kritisiert, dass er immer noch genutzt wird, aber nichts auf seine Geschichte hinweist. Pikant: Die Glocke hängt zwar im Kirchturm, gehört aber der Ortsgemeinde.

Die Leitung der Kirchengemeinde will nun von externen Fachleuten hören, welchen Umgang mit der Glocke sie für angemessen halten. Man empfehle dem Gemeinderat, einer Glockensachverständigen den Auftrag für einen Vorschlag zu erteilen. Der solle im Einvernehmen mit der Landesdenkmalbehörde erarbeitet und schriftlich vorgelegt werden, sagt Pfarrer Helmut Meinhardt. Auf dieser Grundlage könne der Rat beschließen, was mit der Glocke geschehen solle.

Ob der 13-köpfige Rat dem Vorschlag folgt, wird sich bei einer Sitzung am kommenden Montag (28. August) zeigen. Bürgermeister Ronald Becker (Freie Wähler) vermutet, dass er dafür eine Mehrheit findet.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Glocke auch nach einer Empfehlung der Sachverständigen im Turm bleibt – und weiter läutet. Die Glockensachverständige Birgit Müller hat sich bereits dafür ausgesprochen, die unter Denkmalschutz stehende Glocke als Mahnmal einzustufen – und sie nicht abzustellen.

Und auch die rheinland-pfälzische Landeskonservatorin Roswitha Kaiser ist dafür, die Glocke im Turm der Kirche zu lassen und sie weiter zu benutzen – als mahnendes Andenken an etwas, «was man lieber vergessen möchte». Kaiser leitet die Direktion Landesdenkmalpflege der Generaldirektion Kulturelles Erbe.

Die Frage ist auch, ob künftig eine Tafel in oder an der Kirche über die Geschichte der Glocke aufklären soll. Auch darüber wird laut Bürgermeister Becker am Montag im Gemeinderat abgestimmt. «Ich glaube, dass es dafür eine Mehrheit gibt», sagt er. «Aber wo und wie, das wird noch groß diskutiert.»

Die Kirchengemeinde hat unterdessen nach Pfarrer Meinhardts Angaben eine Auflistung zur Geschichte der Kirche im Din-A4-Format in das Gotteshaus gehängt. Außerdem wurde eine Stellungnahme des Presbyteriums auf der Homepage veröffentlicht. Ob man darüber hinaus etwas machen werde, hänge von der Sitzung ab, sagt der Pfarrer.

Die 240 Kilo schwere Bronzeglocke war 1934 in die Kirche gekommen, die zuvor bei einem Brand beschädigt worden war. Die sogenannte Polizeiglocke gehört der Ortsgemeinde und sollte bei Feuer- und später bei Fliegeralarm warnen. Mit ihr kamen zwei größere Glocken in den Turm der Kirche. Sie waren im Eigentum der Kirchengemeinde und wurden 1942, als alles verfügbare Material für den Zweiten Weltkrieg gebraucht wurde, eingeschmolzen.

Die kleinste, die am wenigsten Bronze hatte, blieb als «Notglocke» hängen. 1951 wurden zwei neue Kirchenglocken installiert und das Geläut wurde aufeinander abgestimmt. Bis heute klingen die kirchlichen Klangkörper zusammen mit der «Hitler-Glocke» im Turm der 1000 Jahre alten Kirche, die nach Angaben des ehrenamtlichen Ortshistorikers Eric Hass zu den ältesten Gotteshäusern in Rheinland-Pfalz gehört.

3 KOMMENTARE

  1. Ist es überhaupt nötig einen solchen Aufstand zu machen.Es ist nur eine Glocke.Warum gibt es immer noch Menschen die sich dermaßen aufregen.Warum sich immer noch ein schlechtes Gewissen einreden?

  2. Eine solche Hinterlassenschaft kann aus heutiger Sicht ein wahres „Gottesgeschenk“ sein (wobei ich den ursprünglichen „Schenker“ nicht mit „Gott“ in Verbindung bringen möchte :-). Sie eröffnet nämliche eine weitere Chance, problematische Entwicklungen der Vergangenheit versteh- und nachvollziehbar zu machen. Beeinflussung und Propaganda lief eben nicht nur über die Schienen eines gleichgeschalteten Staatsfunks, (häufig voraus-eilendem) Gehorsams in den Redaktionen und bombastischen Ansprachen an die Massen in Berlin: ’ne Glocke hier, ein sanierter Dorfplatz dort… Wie gesagt…so etwas kann – mutig angegangen – eine echte Chance sein…aber bei einem Presbyterium, das sich erstmal eine „Expertenkommision“ holen muss, sehe ich eher schwarz.

  3. In jedem andern Land würde man die einfachste Lösung wählen:
    Einen Glockengiesser holen, der nimmt einen Metallschleifer, schleift die umgekippten Ecken vom Hakenkreuz weg und voila: Ein schönes Kreuz#
    sodann schleift er den Adi weg, die Glocke tönt genauso und fertig. Nur in Deutschland muss immer alles komplizert sein

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