Brüderkrankenhaus: Kritik an Neuregelung der Vergütung für die Notfall-Ambulanz

Kritik an Neuregelung der Vergütung von Leistungen der Notfallambulanzen – Brüderkrankenhaus Trier warnt vor Konsequenzen

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Beim „Tag des Notfalls“ machten der Ärztliche Leiter des Zentrums für Notaufnahme im Brüderkrankenhaus, Dr. Eckart Wetzel, gemeinsam mit seinem Stellvertreter Markus Baacke und Claudia Neumes (Pflegerische Zentrumsleitung) die Problematik der Neuregelung deutlich.

Bildquelle: Brüderkrankenhaus Trier

TRIER. Mehr als 34.000 Menschen suchten 2016 das Zentrum für Notaufnahme (ZfN) des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder Trier auf. Rein rechnerisch nutzte somit jeder dritte Einwohner Triers das Angebot. Während die Zahl der behandelten Patienten seit Jahren stetig steigt, sinkt die Vergütung von Leistungen der Notfallambulanzen in Krankenhäusern nun drastisch.

So wurde zum 1. April 2017 eine „Abklärungs-Pauschale“ in Höhe von 4,74 Euro eingeführt, mit welcher eine lediglich zweiminütige Abklärung vergütet werden soll. Bei einem „Tag des Notfalls“ informierte das Brüderkrankenhaus Politiker von Bund, Land und Stadt über die sich verschärfende Unterfinanzierung der Notfallmedizin und die Kritik an der Neuregelung der Vergütung.

Im Schnitt 120 bis 130 Patienten verzeichnet das Zentrum für Notaufnahme (ZfN) des Brüderkrankenhauses Trier täglich. Mit mehr als 40 unterschiedlichen Symptomen werde man täglich konfrontiert, berichtet Dr. med. Eckart Wetzel, Ärztlicher Leiter des ZfN und erklärt: „Hinter jedem einzelnen Symptom können sich bis zu 20 unterschiedliche Erkrankungen verbergen.“ Die Bandbreite reiche vom unbedenklichen Unwohlsein bis zum lebensgefährlichen Infarkt, erläuterte Dr. Wetzel beim „Tag des Notfalls“ im Brüderkrankenhaus. Der Mediziner machte deutlich: „Gerade bei unspezifischen Symptomen brauchen wir Zeit.“

Zeit, welche den Notfallmedizinern nicht mehr zugestanden und den Krankenhäusern nicht mehr vergütet werden soll. Auf diesen Nenner lässt sich die Neuregelung der Vergütung der Leistungen der Notfallambulanzen bringen, welche zum 1. April 2017 in Kraft trat. Im Dezember 2015 hatte der Gesetzgeber im Krankenhausstrukturgesetz die Selbstverwaltungs-Partner dazu aufgefordert, diese Vergütung aufwandsgerechter zu gestalten. Daraufhin wurde im Dezember 2016 – gegen die Stimmen der Deutschen Krankenhausgesellschaft – eine Regelung beschlossen, welche eine „wesentliche Schlechterstellung“ bedeute, erklärte Christian Weiskopf, Kaufmännischer Direktor des Brüderkrankenhauses.

Weiskopf führte beispielhaft die neue „Abklärungs-Pauschale“ ins Feld: Zur Abklärung, ob es einer weiteren, tiefergehenden Diagnostik in der Notaufnahme bedarf oder der Patient an seinen niedergelassenen Mediziner verwiesen werden kann, erhalten die Krankenhäuser nunmehr lediglich 4,74 statt der bislang 13,37 Euro. Dabei sei die Unterfinanzierung ambulanter Notfälle schon in der Vergangenheit eklatant gewesen, erläuterte Weiskopf und bezifferte die Differenz in konkreten Zahlen: Durchschnittlichen Kosten pro ambulantem Notfall von 120 Euro standen demnach durchschnittliche Erlöse von 32 Euro gegenüber.

Dr. Wetzel und sein Stellvertreter, der Unfallchirurg und Oberarzt Markus Baacke machten deutlich, dass die neue Vergütung den tatsächlichen Aufwand, welche die Notfallmedizin in ihrer Arbeit leistet, nicht annähernd widerspiegelt. Was die anhaltend steigende Zahl an Patientenkontakten im ZfN anbelangt, habe diese verschiedene gesellschaftliche Ursachen, doch wolle man weder den niedergelassenen Kollegen noch den Patienten, von denen manche die Notaufnahme möglicherweise mit Bagatellsymptomen aufsuchten, einen Vorwurf machen, betonten Wetzel, Baacke und Weiskopf unisono. In einer eher ländlichen Region wie dem Trierer Umland fehle es inzwischen an niedergelassenen Medizinern vor Ort, zudem hätten die wenigsten Hausärzte noch die Kapazitäten, um Hausbesuche zu machen.

Dass rund 40 Prozent der Menschen, die ins ZfN kommen, stationär aufgenommen werden, zeige, dass die meisten Patienten nicht mit Bagatellsymptomen kämen, erklärte Markus Baacke. Doch um wirklich sichergehen zu können, wie die weitere Behandlung verlaufen muss oder ob der Patient an seinen Hausarzt verwiesen werden kann, brauche man Zeit. „Das ist in zwei Minuten nicht zu machen“, unterstrich Dr. Wetzel.

Neben der Abklärungspauschale verwies Christian Weiskopf auf weitere Verschlechterungen im Zuge der Neuregelung: So soll die Behandlungspauschale für
Patienten, die zwischen 7 und 19 Uhr in die Notfall-Ambulanzen kommen und dort behandelt werden müssen, gesenkt werden. Die unverändert bestehen bleibende
Hauptbehandlungs-Pauschale für die regulären Notfallzeiten wird zwar ergänzt um Zuschläge bei bestimmten schweren Erkrankungen, doch „diese laufen ins Leere,
weil in der Regel solche Patienten stationär aufgenommen werden müssen und somit nicht über das ambulante Notfallvergütungs-System finanziert werden“, erklärte Weiskopf. Der Kaufmännische Direktor des Brüderkrankenhauses betonte: „Wir erwarten, dass der Aufwand der Notfallmedizin angemessen vergütet wird und sich die bestehende Unterfinanzierung in diesem Bereich nicht noch weiter verschärft.“ Er appellierte zudem an die anwesenden Politiker, sich für einen Ordnungsrahmen einzusetzen, der die starren Grenzen zwischen ambulant und stationär in der Notfallversorgung aufbreche.

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