„Das ist ja so ein bisschen „Gangnam Style“ was wir da machen“

Spricht man in Deutschland davon, dass am Abend zuvor Darts im TV geschaut wurde, spricht man automatisch auch von Elmar Paulke. Seit mehr als 10 Jahren begleitet er als Kommentator die Fans bei den Übertragungen der größten Darts-Turniere der Welt. Im Rahmen seiner Lesung in Trier, stand uns Elmar Paulke freundlicherweise für ein ausführliches Interview zur Verfügung.

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Bildquelle: Vincenco Sarnelli

TRIER. Im Lokalo.de Interview spricht Elmar mit uns über sein aktuelles Buch „Game On“, seine persönliche Faszination an der verrückten Welt des Darts und dem aktuellen Darts-Boom in Deutschland. Er berichtet eindrucksvoll über die Rolle des Dartverbandes PDC, deren Vermarktung des Sportes und gibt erstaunliche Einblicke hinter die Kulissen des Events „Darts“. Der diplomierte Sportwissenschaftler spricht mit uns über Versagensängste der Spieler, die Rolle der Zuschauer während des Spiels und erklärt, warum er gerade im mentalen Bereich der Spieler noch enormes Steigerungspotential sieht. Bezüglich seiner Rolle als Sportkommentator erzählt Elmar über seine Art zu kommentieren, vom nicht immer einfachem Wechselspiel zwischen Analyse und Emotion, sowie seinem Umgang mit den Fans in den sozialen Medien.

Herr Paulke, mit „Game On“ haben Sie bereits ihr zweites Buch veröffentlicht und es sogar in die Bestsellerlisten geschafft. Im Jahr 2011 kam Ihr erstes Buch „Darts – Die Erde eine Scheibe“ auf den Markt. Was unterscheidet das Buch zur ersten Veröffentlichung? Was hat Sie bewogen noch ein zweites Buch zu schreiben?

„Darts – Die Erde eine Scheibe“, habe ich damals mit meinem Kumpel Tobias gemacht. Alle haben gesagt: Du kannst niemals ein Dart-Buch machen, das verkauft sich eh nicht. Mittlerweile sind 9.000 Exemplare verkauft und alle Bücher weg.

Das erste Buch ist aber letztendlich ein Sachbuch. Es geht viel um die Geschichte von Darts und Darts in Deutschland. Wir haben beispielsweise die erste Kneipe herausgefunden in der Steeldarts in Deutschland gespielt wurde – In Frankfurt hing das erste Board. Ich habe bewusst viele Statistiken eingefügt, wo der Leser immer mal wieder reinschauen kann, mit einem Wissen was man eigentlich gar nicht braucht, aber doch ganz witzig ist. (lacht)

„Game On“ ist mehr mein eigener Blick auf die Tour. Ich mache Darts seit mittlerweile 15 Jahren, bin stark involviert und einfach oft gefragt worden: Wie sind den Taylor und Co privat? Was sind das für Typen? Das habe ich versucht darzustellen – Meine Sicht auf diese verrückte Welt, anhand meiner eigenen Geschichte.

Wie können wir uns die Vorbereitung auf das Buch vorstellen? Haben Sie von Anfang an einen genauen Plan über den Inhalt verfolgt? Über die Jahre Anekdoten gesammelt für eine neue Veröffentlichung?

Nein, nein. Ich bin viele Wochen im Jahr unterwegs und es passiert natürlich einfach viel. Ich habe mich nicht hingesetzt und gedacht: Ich schreibe irgendwann ein Buch mit meinen Anekdoten. „Game On“ hat sich leicht für mich geschrieben – Ich erzähle. Wenn ich diese Tage beschreibe, auch in meiner Funktion als „Master of Ceremonies“ bei der „PDC European Tour“, das hat sich alles relativ leicht geschrieben. Ich weiß auch, dass ich damit den „Pulitzer-Preis“ nicht gewinnen werde (lacht). Es ist eine leichte Kost, kein literarisches Werk, einfach meine Sicht auf diese skurrile Welt des Darts. Was sind das für Typen die so schräg aussehen und wie funktioniert das eigentlich da?

Im Buch erzählen Sie vom schwierigen Start der ersten Darts-Übertragungen. Wann kam für Sie persönlich der Punkt wo sie gemerkt haben, dass „Darts“ auch in Deutschland sehr gut ankommen könnte und woran liegt es, dass es vergleichbar mit Großbritannien und den Niederlanden, so lange gedauert hat ?

Ich habe das einfach an mir selbst gesehen, bin anfangs zu Bundesliga Spielen gefahren weil ich sehen wollte: Was sind das für Typen? Wer spielt denn überhaupt Darts? Eigentlich hängen geblieben bin ich, weil ich gemerkt habe, dass die Leute extrem angefixt waren, was ich zunächst gar nicht nachvollziehen konnte. Da habe gesagt: Ok ich mache das! Ich habe an mir selbst gemerkt, dass das Bock macht.

Beispielsweise 2002 das erste Event in München „Meet the Power 1“, ein Erlebnis wo ich gedacht habe – Mensch, das funktioniert. Es war glaube ich an einem Ostersamstag, wir waren früh da und dachten zuerst: Was ist das denn für eine Schlange? Gibt es hier noch ein anderes Event heute? – Über 100 Meter standen erwachsene Menschen Schlange um Phil Taylor zu sehen. Was ist denn das? Das gibts doch gar nicht!

Ansonsten hatte es für mich den Charme das keiner etwas erwartet hat. Niemand hat gesagt, das mache ich jetzt, weil ich glaube in 10 Jahren klappt das – Das konnte ja keiner wissen. Das hat erst später diesen Lauf genommen und umso schöner ist es nun. Selbst im Hause Sport1 wurde ich anfangs belächelt – Was machst denn du da? Kirmesboxen? – Inzwischen sind es die, die mir auf die Schulter klopfen und sagen: Ich habe es doch immer gewusst (lacht).

Was den Zuschauer beim Dart begeistert, ist vor allem die Spannung. Es ist fast immer alles möglich und jeder Spieler bekommt in der Regel seine Chancen auf den Sieg – Darts wurde einmal als „Ständiges Elfmeterschiessen“ beschrieben. Warum sollte jemand der noch nie ein Dart-Match gesehen hat, es sich unbedingt einmal im TV oder live anschauen? Worin liegt der besondere Reiz beim „Golf der Arbeiterklasse“?

(lacht) Das Zitat ist leider nicht von mir, das hat Eric Bristol mal gesagt. Was ich daran echt gut finde ist: Auch das Elfmeterschießen sieht so einfach aus, jeder denkt, das musst du doch machen. Aber es eben in diesem Moment zu machen, wenn alle auf dich schauen, ist glaube ich die große Parallele zum Darts.

Ich glaube das Problem ist, wenn du das erste mal Darts schaust wirst du die Faszination nicht begreifen können, weil du nicht verstehst, warum das ein mental anspruchsvoller Sport ist. Du bleibst ja erst einmal hängen weil die Stimmung unglaublich ist. Die PDC arbeitet mit Kontrasten die eine Faszination auslösen. Du gehst in ein historisches Gebäude, beispielsweise den Alexandra Palace in London und hast 3.000 kostümierte Leute da. Du bist in einem Mentalsport und die Leute drehen komplett am Rad, das wäre ja in anderen Sportarten wie Tennis oder Schießen undenkbar – überall Stille und Ruhe. Das schafft eine Faszination.

Außerdem hast du natürlich einen „dickbäuchigen“ Phil Taylor, der auf die Bühne geht, der gefeiert wird wie ein Popstar und du eigentlich denkst: Das ist doch kein Star unserer Zeit! – Aber eine große Identifikationsfigur! Der Dartspieler denkt wenn er die Jungs da oben sieht: Das könnte ich auch sein. Ich bin nicht Christiano Ronaldo, aber auch ich könnte da oben stehen – Das ist etwas was den Fan sehr an diesen Sport bindet.

Die Zuschauer mögen Ihre begeisternde Art zu kommentieren. Sie erklären viel, auch für den „Laien“ zugänglich, begeisternd und gespickt mit netten Anekdoten. Wie schwierig ist es einen Mittelweg zischen Emotion und Analyse zu finden?

Ich kommentiere Darts anders als ich beispielsweise Tennis kommentiere – Das ist ja so ein bisschen „Gangnam Style“ was wir da machen. Ich denke wir leben ganz gut mit, was wir auf der Bühne sehen. Die Veranstaltung ist ja auch „crazy“, da darfst du auch als Kommentator ein bisschen verrückt sein. Was wichtig ist, wenn es sportlich wichtig und interessant ist, sind wir immer im Sport. Der Sport ist immer das Wichtigste, auch für mich wenn ich kommentiere, da gibt es dann auch keine Witze mehr. Ich glaube auch das würde ganz schnell kippen wenn du über das Sportliche drüber gehen würdest und es dir egal wäre. Dann würde auch der Zuschauer mir nicht mehr glauben was ich da erzähle. Ich glaube aber er merkt mir an, dass ich fasziniert bin von dem Spiel – dann aber auch mitgehe wenn es lustig wird! Ich habe mit Thomas „Shorty“ Seyler bei Sport1 auch jemanden an meiner Seite, der das auch gut transportiert. Seine schludrige Art wie er spricht, der verstellt sich auch nicht, der ist genauso wie er hinter dem Mikrofon ist.

Nicht nur in Deutschland erlebt Darts einen Boom. Immer höhere Preisgelder bei Turnieren zeigen, dass das allgemeine Interesse am Sport immer weiter wächst – perfekt und professionell vermarktet von der
„Professional Darts Corporation“ (PDC). Gibt es Kritiker in der Szene die in dieser Entwicklung eher eine zu große „Kommerzialisierung des Sportes“ sehen, oder sind sich alle einig, dass dies der „Randsportart“ gut tut? Sehen Sie persönlich Gefahren oder ein baldiges Ende der Entwicklung?

Ja, ich denke die Gefahr ist da. Darts wird inszeniert und ich finde es so wie es aktuell ist gut – Man hat ja den vergleich mit der BDO. Aber die machen das anders, da ist es nicht so wild, nicht so eine Partystimmung und die sagen, dass was die PDC macht, wollen wir nicht – wir wollen so sein wie wir immer waren. Von daher gibt es schon Kritiker, aber ich halte die PDC Veranstaltungen für eine sensationelle Inszenierung – Man darf ja nie vergessen, du überträgst ein Spiel, das auf 2 Meter 37 stattfindet, keiner in der Halle kann den Pfeil erkennen und trotzdem hängen sie alle da und schauen auf diese großen Leinwände – das ist doch verrückt!(lacht)

Auch die Spieler gehen den Weg der PDC mit, sind großteils Profis, immer professioneller in Lebensstil und Vorbereitung, die sportlichen Leistungen steigen – entsprechend wächst auch der Konkurrenzkampf untereinander. Wie sehen Sie den Vergleich der „alten Garde“ wie Taylor, Barney und Co, zu den „jungen Wilden“?

Die jungen Wilden sind groß geworden mit dem Standard den Phil Taylor an den Tag gelegt hat. Als der kam, war er der Einzige der so Darts gespielt hat und auch der Einzige, der so professionell trainiert hat. Die „van Gerwens“ sind auf dem Niveau – von Anfang an haben die gewusst, du musst einen 105er Average spielen, sonst bist du nicht Weltspitze – Damit sind die einfach groß geworden.

Ich glaube übrigens das Darts noch längst nicht so professionell betrieben wird, auch bei den Profis nicht. Es wird wenig mit Videoanalyse gearbeitet, wenig mit Mentalcoaches, was ein großes Manko ist und ich nicht begreifen kann. Wenn ich in anderen Sportarten sehe was die alle machen, beispielsweise im Tennis. Wir erleben so oft wie schnell Matches kippen, wie Spieler offensichtlich nicht mit den Momenten nicht zurechtkommen. Wo sie plötzlich eine 180 des Gegners ins Gesicht kriegen, die Leute drehen durch und dann kippen sie – auf einmal sind die weg. Da kannst du, glaube ich, mit mental geschulten Tricks stabil bleiben und sehe noch viel Potential. Ob es dann ein 130er Average sein wird weiß ich nicht, ich denke da ist irgendwann auch einfach ein Limit erreicht. Das geht ja gar nicht anders, außer du triffst nur noch „Triple-Felder“.

Es gibt viele Spieler, die nach mehreren guten Jahren nicht mehr ihre Top-Leistung abrufen können. Wes Newton, Andy Hamilton etc.. Wie viel Kopfsache steckt im Dartsport? Denken Sie, dass zu viel Einfluss und Gedanken rund ums Spiel die eigene Leistung mindern können?

Du siehst an Spielern wie Newton oder Hamilton, wie mental schwer dieses Spiel ist. Es ist ja keine Frage der Technik, die haben ja nichts verändert. Sie schaffen es vom Kopf her nicht mehr eine Überzeugung an den Tag zu legen, die du brauchst und das du weißt: Ich treffe die Felder. Ein Michael van Gerwen, der auf viele ja auch sehr arrogant wirkt, steht auch im Players Bereich und sagt allen, dass er gewinnt. Das er weiß, dass er der Beste ist, das lebt der und darum ist der auch so gut. Der ist Wahnsinnig, hat aber eine volle Überzeugung.

Gegenteilig dazu das andere Extreme. Dieses „es kippt um“ und du glaubst gar nicht mehr an dich. Du weißt du wirst es nicht schaffen und wieder am gleichen Moment scheitern – eine Art Versagensangst die dann umgeht und du gewinnst plötzlich kein Match mehr. Da geht es ja nur um 3-5 Prozent – Dann kommt wieder die Big Point Situation und du schaffst es wieder nicht, weil der andere in diesem Moment auch da ist.

Im Mentalen ist im Dart-Sport ganz viel Aktion-Reaktion. Ich reagiere auf das was mein Gegner gerade macht – und da ist van Gerwen derzeit einfach brillant. Wie eine Art Bayern München Phänomen: Es spielt Bayern München – Die Bayern wissen Sie gewinnen – Der Gegner weiß, dass die Bayern eigentlich gewinnen, die Zuschauer wissen, die Bayern werden gewinnen und dann gewinnen die Bayern auch.

Passend dazu auch die Leistung von Taylor in den letzten Jahren. Die Spieler wissen mittlerweile: Taylor ist schlagbar

Das geht so schnell – auf einmal triffst du nicht mehr und schwups bist du weg. Plötzlich ist er nicht mehr im Stande das Spiel am Board in bestimmten Situationen hinzubekommen und das obwohl er über 20 Jahre nahezu alles gewonnen hat. Das kann bei van Gerwen übrigens genauso gehen – Der ist jetzt auf einer Welle, aber es geht schnell und kann sich schnell drehen.

Wie ist allgemein Ihr Umgang mit den Spielern. Die Road to Ally Pally zeigt/wirkt als ob sie auch außerhalb der Veranstaltungen ein gutes Verhältnis zu den Profis haben. Wie werden sie von den Spielern wahrgenommen und gibt es auch kritische Stimmen? Beispielsweise: „Der Paulke hat mich schon wieder schlecht geredet?“

(lacht) Das gibt es natürlich. Zum einen ist der Umgang, beispielsweise im Vergleich zur Fußball Bundesliga und zum Tennis, sehr entspannt. Ich genieße es sehr, dass die Jungs wissen wo sie herkommen. In meiner Rolle als „Master of Ceremonies“ ist man ja auch irgendwie ein bisschen Teil dieser ganzen Familie. Dann bin ich auch nicht mehr Journalist – Klar, die PDC bucht mich und dann mache ich natürlich diesen Job da, aber es sind einfach alle sehr entspannt. Ich glaube Sie schätzen es sehr, dass ich mich gut auskenne, niemanden bloß stelle. Das ist ja das Gute, wenn der Gesprächspartner entspannt ist, dann ist auch der Talk angenehm, für ihn und für mich.

Faszinierend ist das jedes große Turnier seine eigene Geschichte hat. Verschiedene Standorte zeichnen sich durch unterschiedliche Modi und ein spezielles Publikum aus – WM/Blackpool/ Premier League. Wie sehr nehmen die Zuschauer tatsächlich Einfluss auf das Spiel? Welche Stimmung hat Sie am meisten gefesselt?

Drei Fragen auf einmal (lacht). Der Einfluss der Fans hängt vom Spieler ab. Bei der letzten WM war es Daryl Gurney, der sich mit den Fans im Ally Pally angelegt hat, durch eine einfache Geste. Das ist der Moment, das darfst du niemals machen. Du motivierst das Publikum und dann nehmen sie Einfluss auf dein Spiel. Als Profi darf es dir niemals passieren, dass die Fans in dich reinkommen und irgendwann, kommen sie rein. Wenn Max Hopp beispielsweise gegen Barney in Deutschland spielt ist es so sehr „Pro Max“ und du siehst bei Barney, der ein sensiblerer Typ ist, der es gewohnt ist von allen gefeiert zu werden, irgendwann kotzt es ihn an und es nervt ihn – Wenn das passiert, du anfängst nachzudenken und zu denken, dass mich das nervt, bist du raus aus deinem Fluss aus deinem Tunnel.

Umgekehrt in Rotterdam ist es bestimmt auch nicht gerade angenehm gegen Barney zu spielen mit den Fans im Rücken

(lacht) Ja natürlich genau, was auch vollkommen legitim ist – Der Heimvorteil! Stimmungsgmäßig die Eins ist einfach der Ally Pally – zwar nicht der größte Austragungsort, in der Premier League gibt es viel viel größere, aber das ist das „Party-Turnier“ – der Klassiker. Da kommen sie alle kostümiert hin, alle haben frei, es ist Weihnachten und es wird gefeiert – das ist Ally Pally! Es liegt auch glaube ich an dem Alexandra Palace in London, du spielst ein einem Palast, das sieht cool aus mit Backsteinen, eine Riesenbühne, einfach eine einzigartige Atmosphäre!

In Deutschland versucht die PDC auch, dass jedes Turnier für sich steht. Bei der PDC Europe ist es momentan noch so, du weisst gar nicht genau: Ist es jetzt das Masters oder sonst ein Turnier. Das ist natürlich auch ein bisschen das Problem. Ich zum Beispiel habe auch gesagt, dass auf mindestens einem Turnier der PDC Europe der Modus „Double in Double Out“ gespielt werden sollte – Ich mag den total. Die versuchen schon was, es ist aber nicht so leicht das hinzubekommen, dass du jedes Turnier einzeln und anders gestalten kannst, dass du weisst Saarbrücken steht für Dieses und Sindelfingen für Jenes.

Vielleicht weniger Turniere als Lösung?

Die PDC möchte Geld verdienen, das Ganze weiter groß machen. Es ist ein Wirtschaftsunternehmen, da sitzen Profis.

Der Liga Modus der „Premier League of Darts“ wird seit zwei Jahren auch an verschiedenen Standorten innerhalb Europas gespielt – Warum nicht auch in Deutschland?

Gibt es nächstes Jahr, wahrscheinlich in Berlin. Da geht es darum, die wollen natürlich eine große Halle voll machen und haben sich in den letzten Jahren immer gefragt: Wird Deutschland es schaffen, 10.000 Menschen an einem Donnerstagabend in die Halle zu kriegen? Wir werden sehen ob das klappt.

Die PDC versucht Darts natürlich immer weiter auszudehnen und geht entsprechend in die Märkte. Beispiel die „World Series of darts“: In ein Land hineingehen und Darts dort publik machen – Das ist das Bestreben. Dubai, Peking, Shanghai, Neuseeland Australien, alles verschiedene Standorte der World Series. Das was jetzt in Deutschland geschafft wurde, erhofft man sich auf ganz vielen Märkten. Es fehlt allerdings noch der deutsche Top-Spieler – wenn der kommt dann glaube ich geht es richtig durch die Decke.

Während der Übertragungen nutzen Sie gerne das Feedback in den sozialen Medien, gehen auf die Zuschauer ein und greifen Fragen auf. Wie viel Einfluss hat der Zuschauer bei der Übertragung auf euch als Kommentatoren-Team? Sollte der Zuschauer überhaupt Einfluss nehmen können? Im Buch schildern Sie eine Situation mit Co-Kommentator „Shorty“ Seiler, der sich die Kritik sehr zu Herzen genommen hatte.

Ich halte es eigentlich so, dass ich weder das Positve, noch das Negative zu nah an mich heran lasse. Gerade wenn auch eine Kritik etwas dezidierter ist, wenn man merkt derjenige hat sich wirklich ein paar Gedanken gemacht, lese ich mir das natürlich sowieso durch. Aber all die, die es nur „rausblöcken“ weil sie irgendwie ein Fan von van Gerwen sind und denken ich wäre jetzt ein Taylor Fan…

Genau, Shorty hat sich am Anfang damit sehr schwer getan, dem habe ich mal gesagt: Mach diesen scheiss Rechner aus! Er hat sich ja teilweise erklärt und das konnte der Fernsehzuschauer gar nicht nachvollziehen, weil er irgendeinem Facebook-User geantwortet hat während der Übertragung.

In früheren Übertragungen hatten Sie mit dem Niederländer Roland Scholten einen ehemaligen Top-Spieler an ihrer Seite. Der Satz „Elmar haben wir noch Fragen?“ schaffte es bis auf dei Schilder der Fans in London. Der Streaming-Dienst „DAZN“ kündigte nun für ein Turnier in diesem Jahr die Zusammenführung des ehemaligen Duos an. Können Sie uns dazu schon etwas mehr verraten und freuen Sie sich auf das Comeback mit Roland?

Also es stimmt, das ist so. DAZN hat sich die Übertragungsrechte letztlich gesichert, ist die große englische Performer Group, Sport 1 ist Sublizenznehmer. Die „Performe-group“ hat einen Vertrag, bei dem sie zusichern mussten, dass Darts auch im Free Tv gezeigt wird und sie brauchten einen TV Sender der das zeigt – wo klar war, dass dies Sport 1 wird.

DAZN möchte nicht die Kopie von Sport 1 sein und daher wird es einen gemeinsamen Kommentar mit Sport1-Kollegen Thomas Seyler wahrscheinlich nicht geben, was auch glaube ich etwas nachvollziehbar ist. Es war die Idee von DAZN zu fragen: Was ist eigentlich mit Scholten? Ich habe jetzt zu Roland, auch wenn ich Ihn zwischendurch ein paar mal getroffen habe, nicht mehr den Kontakt. Ich weiß auch gar nicht, wie nah er noch an der Szene dran ist – Aber natürlich freue ich mich darauf, das ist witzig! Es würde mich wundern wenn wir keinen Spaß haben werden.

Ob es etwas einmaliges ist, kann ich nicht genau sagen. Habe aber letztendlich auch keinen Einfluss darauf.

Als Sportjournalist sind Sie viel unterwegs. Sie begleiten die Turniere der PDC Europe als „Master of Ceremonies“, kommentieren für Sport1 und DAZN verschiedenste Turniere und neuerdings auch bei „Schlag den Star“ für Pro7. Wie entspannt Elmar Paulke nach einem anstrengenden Arbeitstag und wobei können auch Sie einmal abschalten?

Mit viel Bier (lacht). Nein Nein, ich laufe relativ viel. Für mich ist joggen ein gutes Ventil, wo ich Dampf ablassen kann und auch einmal Zeit für mich habe. Ich habe drei junge Kinder, wenn ich zu Hause bin, nehmen die mich natürlich ein. Das ist meine Freizeit, in der ich auch ganz schnell runterkomme. Also es ist keine Gefahr, dass ich wegen irgendeiner Entwicklung im Darts abhebe – drei Kinder zu Hause, das erdet (lacht). Wenn du Nachts aufstehen musst weil einer der Kinder wach ist, da weißt du, das ist Leben.

Herr Paulke, vielen Dank für das ausführliche Interview.

Das Interview führte: Sebastian Schmitz

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