„Unnötig und skandalös“ – Schwere Vorwürfe nach Schließung der Kirsch GmbH

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Symbolbild "Arbeiter Elektronik"

Bildquelle: pixabay

TRIER. Die beschlossene Schließung der der Trierer Kirsch GmbH sorgte für viel Aufregung. Eine Schließung die nach Meinung der Gewerkschaft IG Metall „unötig und skandalös“ sei. In einer Pressemitteilung rechnet die Gewerkschaft mit den Verantwortlichen der PRETTL-Unternehmensgruppe ab und erhebt schwere Vorwürfe.

Die Pressemitteilung im Wortlaut:

„Die guten Zeiten der Kirsch GmbH liegen weit zurück, dennoch wurde es seit der Übernahme durch die PRETTL-Gruppe nicht besser, im Gegenteil. In 8 Jahren wurden 9 Geschäftsführer von Pfullingen nach Trier geschickt. Leider stand nie ein Sanierungskonzept dem Auftrag zugrunde, sondern der Auftrag in kurzer Zeit schwarze Zahlen zu produzieren. Die Folge war ein jeweils kurzfristiger Personalabbau, der jedoch weitreichende Umsatz- und Renditeeinbußen nach sich zog. Die Abwärtsspirale konnte nicht gestoppt werden, im Gegenteil, sie verfestigte und beschleunigte sich. An den Strukturen wurde nie etwas geändert, es wurde letztlich immer noch schlimmer.

In jüngster Zeit, seit Anfang 2016, bemühten sich Betriebsrat und die IG Metall die Arbeitsplätze bei Kirsch GmbH in Trier zu retten. Zunächst wurde das Thema Kurzarbeit von Arbeitgeberseite ins Gespräch gebracht, verhandelt und dann wieder verworfen. Die vorgesehene Betriebsänderung wurde zunächst bestritten, um dann mehr Mitarbeitern zu kündigen, als vorher angekündigt. In der Zwischenzeit wurden die vorgenommenen Kündigungen wieder zurückgenommen. Dann wurden von verschiedenen Verantwortlichen auf Arbeitgeberseite, teils zeitgleich, drei „Sanierungskonzepte“ vorgelegt. In Teilen widersprachen sie sich, in Teilen waren sie nicht nachvollziehbar, wenn beispielsweise im selben Papier Entlassungen fast aller Produktionsmitarbeiter und der Einstieg in die Massenfertigung vorgesehen waren. Der Entwurf des Betriebsrates, der anstatt Entlassungen, ein Sparvolumen auf der Kostenseite in derselben Höhe vorsah, lehnte der Arbeitgeber mit dem Hinweis ab, dies nicht rechtsverbindlich für die Mitarbeiter, also in einem Tarifvertrag, regeln zu wollen. Am 01.03. ließ der Arbeitgeber mitteilen, dass eine Schließung des Traditionsunternehmens vorgesehen sei.

„Die Beschäftigten sind entsetzt und wütend, über diese Willkür und offensichtliche Planlosigkeit seitens der PRETTL-Verantwortlichen“, so der Gewerkschaftssekretär Michael Cramer. „Kirsch wurde in den letzten Jahren systematisch kaputt gewirtschaftet“, so der Betriebsrat Thomas Meyer, „das macht traurig und wütend. Das Kind ist in den Brunnen gefallen, aber jeder sieht, dass es nicht so weit hätte kommen müssen.“

Die Arbeitnehmerseite hatte ein Angebot gemacht, um das anvisierte Kostenvolumen einzusparen. Statt dies für alle gleich und verbindlich zu vereinbaren, überfiel der Arbeitgeber, während die Verhandlungen noch geführt wurden, auf der Betriebsversammlung die Beschäftigten mit individuellen, freiwilligen Angeboten zur Auflösung der Arbeitsverträge. „Dieses Angebot war mehr als doppelt so hoch, als der Arbeitgeber jetzt in vier Terminen zum Sozialplan angeboten hat. Das ist wieder ein Baustein mehr auf der Treppe des Dilettantismus“, so Christian Schmitz, Erster Bevollmächtigter der IG Metall. „Sehenden Auges wurden 100 Industriearbeitsplätze in unserer Region mutwillig abgebaut. Der ganze Prozess ist unglaublich, wenn man es nicht selbst erlebt hätte. Der Arbeitgeber hat in seiner Pressemitteilung vom 15.03. angekündigt, sozial verantwortlich im Sinne der Mitarbeiter zu handeln. Wir fordern PRETTL unmissverständlich auf, diesen Worten auch endlich Taten folgen zu lassen. Die Mitarbeiter von Kirsch haben es verdient.“

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