Große Trierer Ausstellung – Karl Marx neu durchleuchten

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Einstimmung. OB Wolfram Leibe, Staatssekretär Salvatore Barbaro, Rainer Auts, Geschäftsführer der Ausstellungsgesellschaft (v. l.), und viele weitere Kooperationspartner stehen für ein vielfältiges Karl-Marx-Jahr 2018 in Trier.

Bildquelle: Rathaus-Zeitung

TRIER. Die große Trierer Ausstellung zum 200. Geburtstag von Karl Marx 2018 will der breiten Öffentlichkeit ein neues Bild des weltberühmten Denkers und Revolutionärs vermitteln. Dieser Leitgedanke ist auch durchaus wörtlich zu verstehen: So wird das Stadtmuseum eine bisher unbekannte Zeichnung präsentieren, die als das früheste erhaltene Marx-Porträt überhaupt gilt.

Das bekannteste Foto von Karl Marx zeigt ihn als älteren Mann mit wallendem weißem Bart und Haupthaar und wurde zur Ikone. Doch wie sah Marx in seiner Jugend aus? Hierfür gab es bisher kaum Zeugnisse. So ist es als kleine Sensation zu werten, dass das Stadtmuseum ab Mai 2018 in der Ausstellung „Karl Marx 1818-1883 – Leben, Werk, Zeit“ eine Bleistiftzeichnung präsentieren wird, die den Studenten Marx im Jahr 1835 oder 1836 zeigt. Angefertigt hat sie Heinrich Rosbach aus Trier, ein Kommilitone von Marx an der Universität Bonn. Seither befand sich das Werk in Familienbesitz und fand 2016 als Schenkung den Weg ins Museum.

Lebenswelt des 19. Jahrhunderts

Das neu entdeckte Porträt ist eines von mehreren hundert Exponaten, die im kommenden Jahr im Rheinischen Landesmuseum und im Stadtmuseum auf rund 1600 Quadratmeter Ausstellungsfläche präsentiert werden: neben Gemälden und Grafiken auch Maschinenteile, Fahnen, Dokumente und Skulpturen, die einen Zugang zur Lebens- und Arbeitswelt des 19. Jahrhunderts vermitteln. Für viele wichtige Leihgaben gibt es bereits Zusagen von renommierten Museen in ganz Europa.

Ein Ziel der Ausstellung ist, Karl Marx und seine Lehre aus zeitgenössischer Perspektive zu präsentieren und ihn von dem ideologischen Ballast zu befreien, der ihm im 20. Jahrhundert von seinen Anhängern und Feinden aufgebürdet wurde. „Wir wollen Marx weder verherrlichen noch verstecken, sondern ihn als Mensch und Philosoph neu durchleuchten“, betont OB Wolfram Leibe. „Vielleicht gelingt es uns, seine ursprünglichen Gedanken ohne die späteren Verfälschungen wieder freizulegen“, ergänzt die wissenschaftliche Leiterin der Ausstellung, Professor Beatrix Bouvier.

Um diese auf den ersten Blick sperrigen Themen publikumswirksam zu präsentieren, setzen die Organisatoren auf eine spannende und erlebnisreiche Ausstellungsarchitektur. Für die Gestaltung der Teilausstellung mit dem Schwerpunkt „Leben, Werk, Zeit – Karl Marx und sein Jahrhundert“ im Landesmuseum konnte das Büro Szenographie Valentine Koppenhöfer aus Weimar gewonnen werden.

Gemeinschaftsereignis

Im Stadtmuseum mit dem Schwerpunkt „Stationen eines Lebens“ kommt die Arbeitsgemeinschaft Bach Dolder Architekten und Katz-Kaiser aus Darmstadt zum Zug, die bereits für das Städelmuseum in Frankfurt und das Jüdische Museum in Berlin gearbeitet hat. Ob die Marx-Schau ein ähnlicher Publikumsmagnet wird wie die Ausstellungen zu Nero und Konstantin, bleibt dennoch abzuwarten. „Wenn wir die Marke von 200.000 Besuchern knacken, wäre das ein Riesenerfolg“, erklärt Professor Salvatore Barbaro, Staatssekretär im Kulturministerium und Aufsichtsratsvorsitzender der Ausstellungsgesellschaft. Wichtiger ist für Barbaro jedoch ein anderer Maßstab: „Das Karl-Marx-Jahr soll zu einem regionalen Gemeinschaftsereignis werden und den Bürgern viele Identifikationsmöglichkeiten bieten.“ Dabei spielt das umfangreiche Rahmenprogramm eine wichtige Rolle.

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