Die Herren der Fliege – Regisseurin Joya Ghosh im Interview

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TRIER. Am kommenden Samstag, 15. Oktober, feiert das Theaterstück des Trierer KATZ-Theaters, „Die Herren der Fliege“, in der TUFA Premiere. Angelehnt an „Lord of the Flies“, von William Golding, versetzt die Regisseurin, Joya Gosh, den 1954 erschienenen Roman in die Moderne. Im Lokalo.de-Interview gibt uns Joya Ghosh einen interessanten Einblick in ihre Interpretation des Stückes, erzählt uns was der Zuschauer erwarten darf und berichtet von ihrer Arbeit rund um das von ihr geschriebene Theaterstück.

Hallo Joya, viele kennen den „Herren der Fliege“ aus dem Schulunterricht. Warst du schon damals von der Geschichte begeistert?

Ich muss zu meiner Schande gestehen: Keineswegs. Ich war zu der Zeit, als wir das Stück besprochen haben, ausgesprochene Feministin und für mich war das Stück klar Teil der patriarchalischen Weltordnung. Nur Jungs (Männer), die ihren niederen Trieben folgen, das fand ich natürlich plakativ.
Heute weiß ich das Stück besser zu interpretieren. Da sag ich klar: Es ist keineswegs genderspezifisch Macht über andere ausüben zu wollen. Das gibt es bei beiden Geschlechtern. Frauen sind da nur vielleicht noch ein kleines bisschen perfider.

Worauf hast du bei deiner Arbeit besonderen Wert gelegt?

Mir war es wichtig, dass die Darsteller die Basics der Theaterarbeit beherrschen. Als großer Straßberg Fan glaube ich, dass man nur gut darstellen kann, was man auch wirklich auf der Bühne fühlt. Daher wollte ich, dass das Leben auf der Insel, authentisch dargestellt wird und nicht künstlerisch überhöht. Wir haben viel Körpertraining gemacht, unsere Stimmen geschult und für die Kampfszenen habe ich mit einen Bühnenkampftrainer gearbeitet.

Was erwartet den Zuschauer bei deiner Interpretation des Stückes?

Action, Kampf, Psychospielchen und vor allem ein abwechslungsreicher Theaterbesuch. Eine kompromisslos kapitalismuskritische Geschichte, bei welcher alle drängenden Themen und Aspekte unserer Zeit aufgegriffen werden. Heute fürchtet sich ja kein Mensch mehr vor dem Atomkrieg wie zu Goldings Erlebenswelt. Unsere Gesellschaft ist vielmehr von der Verrohung und von Egozentrik bedroht, das wollte ich zeigen, deshalb heißt das Stück auch Die Herren der Fliege. Die KATZ-Inszenierung katapultiert die Robinsonade in die Gegenwart. Mit 9 Frauen und Männern aus einem global agierenden Unternehmen, die plötzlich in einer Welt ohne Handynetz und ordnende Gewalten klarkommen müssen. Da sorgt eben nicht der Titel oder die berufliche Position für den Respekt, sondern das Handeln. Und das ist – übrigens auch neu in der Adaption – nicht nur bei den Männern durchaus fragwürdig. Ach ja, und beim Ende habe ich meine künstlerische Freiheit voll ausgekostet.

Wie darf man sich die Vorbereitung vorstellen?

Zu Beginn lag vor mir die Aufgabe, den Text so umzuschreiben, das Erwachsene beiden Geschlechts ihn glaubhaft sprechen und darstellen können. Anschließend haben wir uns die Kampfszenen vorgenommen und eine grundsätzliche Choreografie erarbeitet. Gleichzeitig habe ich ein Team zusammengestellt, das mich bei der Erarbeitung des Bühnenbildes mit Kreativität und Muskelschmalz geholfen hat. Ab März haben wir dann gebaut und geprobt in unregelmäßigen Abständen.

Worin liegt die besondere Herausforderung bei der Arbeit mit dem KATZ-Team?

Für das Ensemble war sicher ich DIE Herausforderung. Ich habe sehr klare Vorstellungen davon, wie intensiv eine Rolle vorbereitet werden muss und gebe auch mal Hausaufgaben. Das war für die weniger erfahrenen Darsteller, die neben dem Theater auch einem stinknormalen Job nachgehen eine Herausforderung. Ich kann sehr stur werden, wenn ich das Gefühl habe, es wird nicht genug für die Rolle getan. Viele Ensemblemitglieder haben ja auch erstmals im Großen Saal gespielt, das stellt ganz andere Anforderungen an Stimme, Mimik und Gestik.

Was darf man vom KATZ-Theater demnächst erwarten?

Nun, geplant ist bisher nur eine Aufführung der Vagina-Monologe am 18.2.2017 in der TUFA. Dabei werden vor allem die Katzen-Damen zu Wort kommen, aber auch viele externe Darstellerinnen aus meinem persönlichen, beruflichen Bekanntenkreis. Gegen Ende des Jahres werden wir dann mehr über die weiteren Stücke für 2017 verraten können.

Vielen Dank für das tolle Interview.

An diesen Tagen könnt Ihr das Stück besuchen:

PREMIERE AM 15.10 !

Großer Saal,TUFA Trier. Premiere: 15.10, 19 Uhr

Weitere Termine: 22.10./30.10./2.11./6.11./18.11.2016

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