Ein Aushängeschild des Rudersports und das Projekt Bootshausneubau

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Caroline Meyer, Richard Schmidt, Kathrin Morbe

Bildquelle: Ruderverein Treviris 1921, Antje Schnoor

TRIER. Seit 95 Jahren gibt es den Ruderverein Treviris 1921 in Trier – aber keine Dekade war so erfolgreich wie die vergangene. Das wurde beim gemeinsamen Empfang des Vereins und der Stadt Trier für ihr Aushängeschild Richard Schmidt sowie die beiden WM-Teilnehmerinnen Kathrin Morbe und Caroline Meyer allen Beteiligten nochmals vor Augen geführt. „Wir haben seit dem Jahr 2000 55 Medaillen bei Deutschen Meisterschaften gewonnen, waren 24 mal bei Weltmeisterschaften vertreten und haben dabei 18 Mal Edelmetall gewonnen“, sagte der Treviris-Vorsitzende Matthias Woitok nicht ohne Stolz.

Die meisten dieser Medaillen gehen natürlich auf das Konto von Schmidt (29), seit den Olympischen Spielen von Peking die Konstante im Deutschland-Achter: Olympiagold in London, nun Silber in Rio, dreimal Weltmeister, dreimal WM-Zweiter, dreimal Europameister. Und dieses immer im Trierer Trikot der Treviris, auch wenn er in Dortmund lebt, studiert und trainiert.

„Ganz Trier ist stolz auf Sie. Sport formt Charaktere, und dafür sind sie ein leuchtendes Beispiel.“, fand Triers Sportdezernent Andreas Ludwig beim Empfang lobende Worte für Triers bisher einzigen Olympiasieger: „Man merkt bei solchen Ereignissen immer, was für ein unglaublicher Identifikationsfaktor der Sport ist.“

Während des Empfangs im Schloss Monaise sah Schmidt dann erstmals das Olympiarennen von Rio, das er mit dem Deutschland-Achter gegen Großbritannien verloren hatte. „Wir hatten die Briten eigentlich die ganze Saison über im Griff, da ärgert man sich natürlich, wenn es ausgerechnet bei Olympia anders ausgeht. Aber sie waren an dem Tag einfach sehr stark, das muss man dann auch anerkennen“, sagte Schmidt: „Beim Achter muss man jeden Meter Vollgas geben. Das war wohl unser Problem. Die Briten haben das einfach besser hinbekommen und bereits auf dem zweiten Viertel der Zwei-Kilometer-Strecke den Grundstein für ihren Sieg gelegt.“

Aber die Niederlage von Rio ist eine Motivation weiterzumachen für den Trierer, der früher für die DJK St. Matthias Handball spielte, ehe er sich dem Rudern verschrieb. Zunächst einmal steht zwar der Abschluss des Wirtschaftsingenieurstudiums an der Technischen Universität Dortmund inklusive Masterarbeit im Vordergrund, aber die Saison 2017 will Schmidt auf jeden Fall noch bestreiten. Ob er bis Olympia in Tokio 2020 weitermacht, steht noch nicht fest: „Zu 100 Prozent weiß ich das noch nicht.“

Bei seinem Verein Treviris hofft man darauf, dass Schmidt als Vorzeigeruderer und Vorbild noch lange starten wird: „Er ist immerhin der erfolgreichste deutsche Riemen-Ruderer aller Zeiten“, betonte der Vereinsvorsitzender Matthias Woitok.

Eloquent berichtete Schmidt von seinen Olympiaerfahrungen („Wir haben in Rio sogar ein paar Fische gesehen“ – oder „In Rio hatten die Menschen andere Sorgen als Olympia zu organisieren“). Oder fand zum Thema Doping (auch in seiner Funktion als Aktivensprecher des Deutschen Ruderverbands) klare Worte: „Was die Russen gemacht haben, konnte man nicht durchgehen lassen“, und: „Ich wünsche mir, dass harte Regeln international durchgesetzt werden und das Thema Doping nicht immer nur vor Olympischen Spielen auf die Tagesordnung kommt.“

Trotz solcher Negativschlagzeilen rund um den Leistungssport ist Schmidt sicher, alles richtig gemacht zu haben: „Man darf sich nichts vormachen, das Training ist sehr anstrengend, und im Rennen tut schon der erste Schlag weh. Aber wenn man es kann, macht Rudern nur noch Spaß.“

Spaß am Rudern, kombiniert mit Erfolg, verkörpern auch die beiden Treviris-Nachwuchsruderinnen Kathrin Morbe und Caroline Meyer, die beide bereits mit dem Leichtgewichts-Doppelvierer Bronze bei U23-Weltmeisterschaften gewonnen haben. Morbe in diesem Jahr und zudem bei der Studenten-WM, Meyer 2015. Beide bezeichnen Richard Schmidt als besonderen Antrieb für ihr hartes Training: „Wenn man einen Olympiasieger kennt, bekommt man einen ganz anderen Bezug dazu. Es ist dann kein unerreichbarer Traum mehr, sondern ein Ziel, auf das ich hinarbeiten kann“, sagt Kathrin Morbe auch schon mit Blick auf Tokio 2020.

Rund 21 bis 24 Trainingsstunden oder 200 bis 250 Kilometer pro Woche auf dem Wasser absolvieren Meyer, die ihre ersten sportlichen Schritte als Eiskunstläuferin machte, und Morbe, die nun in Saarbrücken studiert und trainiert, um einmal von den fünf Olympischen Ringen träumen zu können.

Generell habe Richard Schmidts Silbermedaille von Rio dem ganzen Verein neue Interessenten gebracht: „Bei uns standen plötzlich viele Kinder und Jugendliche vor dem Bootshaus und wollten rudern, als Richie durch Olympia im Fokus war“, sagt Treviris-Trainer Benedikt Schwarz.

Schwarz ist neben seiner Tätigkeit im Verein auch Landestrainer – denn Trier ist auch Landesleistungszentrum. Um dies langfristig zu bleiben, ist ein neues Bootshaus mit Unterbringungsmöglichkeiten für Kaderathleten und Platz für bis zu 80 Boote in Planung. Woitok rechnet mit Baukosten von rund drei Millionen Euro. Sport- und Baudezernent Ludwig sicherte Unterstützung zu, auch wenn die Stadt und der Verein die nötige Finanzierung natürlich nicht alleine stemmen können.

Traum des Vorstandes und der Mitglieder der Treviris ist es, den 100. Vereins-Geburtstag 2021 schon im neuen Bootshaus feiern zu können. Das Thema Bootshaus wurde beim Empfang auch mit vielen geladenen Gästen – Ruderer, Sportfunktionäre und Vertreter der Trierer Politik – diskutiert. Doch auch dort stand natürlich Richard Schmidt im Fokus, der wie Morbe und Meyer offiziell von Sportdezernent Ludwig mit Trierer Kunstdrucken ausgezeichnet wurde.

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