„Stadt-Blitzer“ in Trier: Fast 60.000 Verwarnungen

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Blitzer der Stadt Trier

TRIER. Seit Januar dieses Jahres überwacht die Stadt die gefahrenen Geschwindigkeiten auf Trierer Straßen. Die beiden mobilen Messanlagen des Ordnungsamtes waren bis Ende August genau 1401 Stunden im Einsatz, dabei wurden 580.000 Fahrzeuge überprüft.

Fazit: jeder zehnte Autofahrer war zu schnell unterwegs. Durch 59.180 Verwarnungen und Bußgelder hat die Stadt bisher 1,33 Millionen Euro eingenommen.

Pro Monat im Schnitt 7000 Verstöße gegen die vorgeschriebene Geschwindigkeitsbeschränkung – das überraschte bei der Vorstellung der ersten Messbilanz sowohl Dezernent Thomas Egger als auch die Ausschussmitglieder. „Wir haben analog der Fallzahlen der Polizei, die ja vorher die Geschwindigkeiten im Stadtgebiet überwacht hat, mit einer etwa fünfprozentigen Verstoßquote gerechnet“, erklärte Egger. Dass aktuell doppelt so viele Verkehrssünder wie anfangs kalkuliert Post von der Bußgeldstelle des städtischen Ordnungsamtes erhalten, hat für die Stadtkasse natürlich den positiven Effekt steigender Einnahmen.

Die ursprünglich veranschlagten Einnahmen durch die kommunale Geschwindigkeitsüberwachung für das laufende Jahr von 768.000 Euro wurden bis Mitte September schon um das doppelte übertroffen. Hochgerechnet auf das ganze Jahr 2016 (bei gleichbleibender „Verkehrsdisziplin“ und Überwachungsintensität) könnten die Verkehrssünder rund 1,9 Millionen Euro in die Stadtkasse spülen.

Für die Einen sind die unvermutet reichlich sprudelnden „Knöllchen-Gelder“ eine willkommene Finanzspritze für die klamme Stadtkasse, für andere Ausschussmitglieder klares Indiz für die schon lange vermutete „Abzocke“ Trierer Bürger. Doch im Gegensatz zu früheren Grundsatzdiskussionen einte angesichts der dokumentierten Fakten – jeder zehnte Autofahrer ist in Trier schlichtweg zu schnell unterwegs – alle Ausschussmitglieder in der Einschätzung, dass die kommunale Geschwindigkeitsüberwachung zur Verbesserung der Verkehrsdisziplin eingesetzt werden müsse. Wo die Messstellen aus welchem Grund in Zukunft platziert werden – darüber will der Ausschuss noch einmal diskutieren.

Die hohe Zahl der Verstöße relativiert sich etwas, wenn man die Intensität der Überschreitungen analysiert. Bei 95 Prozent der geahndeten Fälle handelt es sich um Verwarnungen. Diese werden bis zu einer Geschwindigkeitsüberschreitung von 20 Stundenkilometern ausgesprochen (fälliges Verwarnungsgeld zwischen 15 und 35 Euro). Teurer wird es bei höheren Überschreitungen der zulässigen Geschwindigkeit: ab 21 Stundenkilometer wird schon ein Bußgeld von 80 Euro fällig, Überschreitungen ab 31 Stundenkilometern werden schon mit 160 Euro Bußgeld, zwei Punkten in Flensburg und einem Monat Fahrverbot geahndet.

Insgesamt wurden in dieser „Preisklasse“ (Überschreitung über 30 km/h) von Januar bis Ende August 421 Fahrzeuge erfasst. Spitzenreiter bisher ist ein Verkehrsteilnehmer, der mit 123 bei erlaubten 50 Stundenkilometern in der Zurmaiener Straße dokumentiert wurde.

Die gestochen scharfen Bilder der städtischen Geschwindigkeitsmessstationen haben im Übrigen eine vorher ungeahnte Einnahmequelle aufgetan: 233-mal wurde durch das Messfoto neben dem Geschwindigkeitsverstoß auch eine Handynutzung während der Fahrt eindeutig dokumentiert (60 Euro).

12 KOMMENTARE

  1. Über die Geschwindigkeitsbeschränkung einiger grosszügig ausgebauter Strassen mag man streiten können , jedoch nicht, dass wenn man sich nicht an die Geschwindigkeit hält, geblitzt wird.
    Kein Verständniss habe ich wenn in einer 30km/h Zone im Wohngebiet gerast wird und das auch teilweise von den dortigen Anliegern die sollen mal kräftig zahlen wenn sie geblitzt werden.
    Abzocke liegt wohl im Auge des Betrachters, vorzugsweise der zu schnell Fahrenden, die Strafen dafür sind in allen anderen europäischen Ländern viel höher

  2. Ich werfe mal die steile These in den Raum dass selbige Höhe der Einnahmen auch bei der Überwachung des ruhenden Verkehrs (unter Nutzung des gesetzlichen Strafmaßes) möglich wäre, wenn die Stadt denn wollte.
    Schade, dass man offensichtlich Angst hat, dies umzusetzen. Hoffentlich wird der neue Dezernent dies besser machen, nicht nur hinsichtlich der Einnahmen, sondern auch in Bezug auf die Sicherheit.

    • Diese These unterstütze ich. Abgelaufene Parkuhr : 10 €. Parken in FW-Zufahrten/In Beruhigten Bereichen/ auf Gehwegen : 20-35 €. Eine Verdoppelung wäre mit einem Systemwechsel møglich.

  3. Toll,

    Steuerfahnder und Zoll 2500 neue Spitzel zum Mindestlohn: kein Problem

    Geschwindigkeitskontrollen um den Bürger zu melken : kein Problem

    Grenzen sichern : unmöglich

    Bevölkerung schützen : warum denn

    Ich bin Mal auf die Quittung gespannt

    • Äpfel und Birnen zusammen funktioniert nur beim Viez. Aber nicht bei Ihren Vergleichen.
      Aber : Wie viele Tote gab es durch Ilegal eingereisste und wie viele durch zu schnelles fahren ?

      • Genau Herr Fischer,

        In % wäre das wirklich interessant zu wissen, vielleicht nehmen wir dann die sexuellen Übergriffen dazu ?
        Natürlich auch in % zu den Schwerverletzten?

        Unser Staat ist am Ende!!!

        Das ist auch gut so.

        • Aber dann bitte die sexuellen Übergriffe von „echten Deutschen“ und „besorgten Patrioten“ wieder rausrechnen, denn in Deutschland sollten nur echte Deutsche verbrechen begehen dürfen….!
          Und warum finden Sie es denn so gut, wenn unser Staat am Ende wäre? Denn bedenken Sie, wenn der Staat, der auch der Ihre ist, wirklich am Ende ist, dann müssten Sie ja in einen anderen Staat flüchten, Einen, der willens und in der Lage ist, Sie aufzunehmen!
          Schöne Vorstellung, nicht wahr?

          • Finde ich auch, deshalb bin ich auch gegangen.

            Ich nutze Deutschland nur noch zum Geld verdienen, dass geht hier am einfachsten.

            Übrigens finde ich es deshalb gut, weil unsere “ Eliten“ weg müssen. Ich bin der Meinung, dass es kurz davor ist, es gibt zu viele, die ausschließlich am System saugen ohne der Allgemeinheit zu nutzen, damit meine ich genau nicht die Hilfsbedürftigen!

            Wenn Sie für den o.b. Unfug einen spss Algorithmus finden oder selbst schreiben, können wir gerne Mal versuchen was das wird 😀

            Ich dachte nie, dass ich in meinem Leben so viel erleben darf. Das ist wirklich interessant.

  4. Im Prinzip finde ichs gut, warum? Man muss nur mal die Fahrweise der Leute hier in Betracht ziehen.
    Eine Frage stellt sich allerdings: Wenn die Stadt Trier es nciht schafft, die Gelder auch von Luxburgern oder Ausländern einzutreiben ist die Frage, ob dies nciht gegen den Gleichheitsgrundsatz wie im GG oder in den Gesetzen der EU festgelegt, verstösst, und wäre im Falle des Falles eine Klage vor dem Verwaltungsgericht Trier wert. Die anfallenden Gebühren dürften unter 100EUR liegen so man verliert,.

    • Das liegt an den Bundes- und EU-Regeln. Da kann die Stadt praktisch nichts machen.
      Aber : Die Innenministerkonferenz hat eine erhebliche Erhõhung der Buß-und Verwarngelder beschlossen.

  5. Als beruflicher und privater Vielfahrer bin ich froh über jede Hohlbirne, die aus dem Verkehr gezogen/abgestraft wird, wenn sie nicht begreift, dass hochverdichteter Verkehrsraum kein Platz für „Selbstverwirklichung“ ist. …dafür gibt es auch ansprechendere Betätigungsfelder…

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