Karl-Marx Jahr 2018 – AfD ätzt gegen Infoblätter

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Zum 200. Geburtstag des wohl berühmtesten Trierers widmen Stadt und Land Karl Marx 2018 eine große Ausstellung.

Bildquelle: lokalo

TRIER. Zum 200. Geburtstag von Karl Marx im Jahr 2018, wird es in der Geburtsstadt des Philosophen zwei große Ausstellungen geben. Das Konzept und die Informationsblätter wurden kürzlich vom Veranstalter bereitgestellt. Die AfD findet dabei ein „Haar in der Suppe“.

Wie der Veranstalter auf seiner Internetseite berichtet, wird sich die umfangreiche Ausstellung im Rheinischen Landesmuseum Trier auf mehr als 1.000 m² und in einem Rundgang durch 13 Räume den wichtigsten Werken des bedeutenden Philosophen, Politökonomen, Journalisten, Politikers und Revolutionärs des
19. Jahrhunderts widmen. Sie wird dabei den Fokus auf die Zeit ihres Entstehens ausrichten. Es ist ein Zeitalter enormer gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Umbrüche in Europa, das von Freiheits- und Demokratiebestrebungen bestimmt wird wie auch von Industrialisierung und Urbanisierung.

Neben exquisiten Gemälden, Realien und Archivalien des 19. Jahrhunderts unterstützen interaktive Installationen, Medienstationen und Rauminszenierungen die Besucher darin, die komplexe Gedankenwelt von Karl Marx kennen zu lernen. Seine intellektuelle Entwicklung, seine Zeit und sein Werk stehen dabei stets im Zentrum. Von den politischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen zu Beginn des 19. Jahrhunderts
ausgehend spannt sich der Ausstellungsbogen bis hin zur organisierten Arbeiterbewegung, die gegen Ende von Marx‘ Leben eine wichtige Rolle spielt.

Der weitgehend chronologische Verlauf wird den Besuchern sowohl den persönlichen Werdegang des Philosophen hin zur Ikone der Arbeiterbewegung wie auch einen Eindruck von der rasanten Entwicklung der
Industrialisierung vermitteln.

Nicht zufrieden mit den Informationsblättern zeigt sich die AfD. In einer Pressemitteilung heißt es:

„In den Informationsblättern zu den beiden Karl-Marx-Ausstellungen 2018 in Trier, die ganz aktuell auf der Homepage der Ausstellungsmacher eingestellt sind, finden sich keine Hinweise darauf, dass die Wirkungsgeschichte des Marxismus‘ im 20. Jahrhundert thematisiert wird.

Dazu Joachim Paul, bildungspolitischer Sprecher der AfD-Fraktion im Landtag Rheinland-Pfalz und stellvertretender Fraktionsvorsitzender:

„Natürlich gibt es eine Verbindung zwischen dem Kommunistischen Manifest 1848 und den kommunistischen Verbrechen im 20. Jahrhundert. Wir sind es den vielen Millionen Toten schuldig, in einer groß angelegten Ausstellung über Karl Marx auch die Wirkungsgeschichte des Philosophen zu thematisieren, zumal auch in Rheinland-Pfalz Opfer des Kommunismus‘ leben. Man denke hier nur an die Donauschwaben, die im Jugoslawien Titos furchtbaren Verbrechen ausgesetzt waren. Der antitotalitäre Konsens, der ein unverhandelbarer Grundkonsens aller Demokraten sein muss, gebietet eine kritische Betrachtungsweise von Karl Marx.“

11 KOMMENTARE

  1. Das die Faschisten was gegen eine Ausstellung über Kommunisten haben würde…wer hätte das gedacht? Zum Glück denken sie immerhin nicht, dass das ganze Konzept komplett „entartet“ ist 😛

    • Kommunisten sind immer gewaltsam an die Macht gekommen, haben sich mit Verbrechen an der Macht gehalten und verschwanden, als alles in Trümmern lag und Millionen Menschen ermordet oder ruiniert waren. Deshalb: Wehret den Anfängen! Es ist beruhigend, dass es noch „Faschisten“ in Trier gibt, die klar darauf hinweisen. Danke!

    • Eine Ausstellung über Kommunisten würde aber auch nicht unbedingt ein positives Schlaglicht werfen, oder? Anzuraten wäre z.B. eine ausreichende Lektüre über die KPCh unter Mao und die Todesopfer und psychischen Folgen, die die einzelnen Kampagnen des Parteivorsitzenden hervorgebracht haben. Das soll natürlich keine Relativierung bezüglich des Faschismus darstellen. Nur- ich bin keine Faschistin und habe mein Problem mit einer rein positiven Darstellung, da Geschichte nicht ideologisch verformt werden soll.

      • Ich verstehe durchaus, dass auch der Kommunismus, genau wie der Faschismus, alles andere als positiv zu betrachten ist. Allerdings geht es in dieser Ausstellung um Karl Marx selbst, und nicht um die Interpretationen, die andere aus seinem Denken gezogen haben. Marx war selbst nie Teil eines Kommunistischen Regimes und die gesamte Ideologie geht auch nicht auf ihn alleine zurück, da Bedarf es nohc anderer Philosophen wie Engels. Natürlich sollte man trotzdem in gewisser Weise darstellen, wozu sein Denken geführt hat. Die AfD nutzt dies allerdings klar aus um das linke Spektrum zu diffamieren!

  2. „Es ist beruhigend, dass es noch „Faschisten“ in Trier gibt….“ sach mal, noch ganz klar? „Kommunisten sind immer gewaltsam an die Macht gekommen“, echt in der DDR auch?
    Faschisten sind immer gewaltsam an die Macht gekommen, haben sich mit Verbrechen an der Macht gehalten und verschwanden, als alles in Trümmern lag und Millionen Menschen ermordet oder ruiniert waren.
    Der letzte Kommentar trifft es auf den Punkt! Erst mal nochmal Geschichtsbücher rausnehmen und dann kommentieren! Es hieß ja auch immer der „real existierende Sozialismus“.
    @Saabrücker Studentin: Es geht aber nicht um den Kommunismus, sondern um Karl Marx. Es geht auch nicht um Mao oder die chinesische Kulturrevolution oder so.
    Was die AfD angeht, da würde ich den Ball mal ganz flach halten, wenn Frau Petry mit Wörtern wie „völkisch“ experimentiert.
    „Im Zweiten Weltkrieg kämpften Donauschwaben in den ungarischen und rumänischen Armeen auf der Seite des Deutschen Reiches, aber auch in der Wehrmacht und in der Waffen-SS. In Jugoslawien beteiligten sie sich an Besatzungsaufgaben. Donauschwaben nahmen am Partisanenkrieg gegen die jugoslawische Volksbefreiungsarmee in Divisionen der Waffen-SS teil, die für ihre brutalen Repressalien und völkerrechtswidrigen Erschießungen von Zivilisten bekannt wurden. In Jugoslawien wie auch in Rumänien und in Ungarn meldeten sich zunächst Freiwillige zur Waffen-SS, im weiteren Verlauf des Krieges fanden in allen drei Staaten Aushebungen statt.“
    „Der Begriff Donauschwaben hat eine überwiegend politische Entstehungsgeschichte. Erst als sich nach dem Vertrag von Trianon 1920 ein landsmannschaftliches Bewusstsein bei den Deutschen zu entwickeln begann, kam der Name Schwaben bei ihnen selbst zur Geltung. Er wurde in den frühen 1920er Jahren von dem Grazer Geographen Robert Sieger geprägt, und 1922 von dem Historiker und Nationalsozialisten Hermann Rüdiger (ab 1941 Leiter des Deutschen Ausland-Instituts) verbreitet und sollte der Darstellung eines gemeinsamen Gegensatzes dieser Minderheiten zu den anderen dort seit längerem ansässigen Bevölkerungsteilen dienen. Gleichzeitig konnten sich der Begriff der Donaubayern für die bairische Mundart sprechenden Siedler und der für alle Deutschen der Region angewandte Name Donaudeutsche nicht durchsetzen.“
    Tja, da fragt sich, was war zu erst, das Huhn oder das Ei?

    • @ Ex Trierer Student
      @Trierer Student
      Ich habe mich ausdrücklich an den ersten Beitrag gehalten, indem kein Wort über Karl Marx gestanden hat, da auch ich weiß, dass die Lehren interpretiert wurden. So ist bei Marx die spätere Ablehnung der Religion (soweit ich mich erinnere) nicht vorhanden und kaum thematisiert.

      Zitat: „Das die Faschisten was gegen eine Ausstellung über Kommunisten haben würde…wer hätte das gedacht?“

      Und ist die KPCh nicht eine kommunistische Partei? Das Beispiel hab ich ausgewählt, da ich oft einen recht naiven Umgang mit den Vorbildern der kommunistischen wie auch sozialistischen Staaten erlebe (Beispiel ist austauschbar). Ich habe einmal „Mao war ein toller sozialer Reformer“ während eines Gesprächs zu hören bekommen (die Zahlen der Todesopfer des „Großen Sprungs nach vorne“ variieren. Es gibt Forscher, die von 40 Mio ausgehen->tolle soziale Reform). Daher reagier ich etwas empfindlich (bezogen auf den ersten Satz, der mir verharmlosend erschien. Wollte jedoch keinen angreifen).

    • Ich hatte mich auf den Beitrag des Trierer Studenten bezogen, und darin stand nicht „Karl-Marx-Ausstellung“, sondern „Ausstellung über Kommunisten“. Darum das Beispiel der KPCh. Oder so…

    • Ich kann mir ja kaum vorstellen, dass du die Bedeutung der “ “ in diesem Kontext nicht verstehst, aber ich erklär ja so gerne: Wer demokratisch gewählte Vertreter einer zugelassenen Partei als Faschisten diffamiert ist ein Idiot oder ein übler Hetzer.

      “ „Kommunisten sind immer gewaltsam an die Macht gekommen“, echt in der DDR auch? “

      Selbstverständlich nicht. Die wurden gewählt. War ja schließlich eine demokratische Republik (vielen Dank an die Wahlhelfer aus der Sowjetunion). Das Ende war dagegen ein Umsturz. Darauf hat ja auch die erklärte Marxistin Margot H. in Chile bis zu ihrem Tod immer wieder hingewiesen.

    • @ Ex-Trierer Student

      Vielleicht wirds noch gelesen, obwohl die Diskussion wohl erledigt ist und das nachfolgende sich auf Ihren zitierten Ausschnitt von Wikipedia (?) und nicht direkt auf die Karl-Marx-Ausstellung bezieht.
      Da ich mich bisher mit den Donauschwaben nicht beschäftigt hatte, war ich lieber still und hab mich mal grob informiert (Hab mir auch mal Lektüre angeraten zu lesen :-))
      Die Donauschwaben sind doch ein nettes Beispiel für die verschiedenen Deutungshoheiten anhand politischer Einstellungen. Die Vorgeschichte zur Nationalisierung und zu Teilen auch Nazifizierung sollte in die Betrachtung natürlich einbezogen werden (was ich hier nicht mache, keine Sorge :-)), da diese zeigt, wie eine starke Minderheit durch Restriktionen und durch Fernhalten politischer Teilhabe durch Extremisten (politisch, religiös usw.) beeinflusst werden kann. Natürlich waren die sogenannten Donauschwaben an Kriegsverbrechen beteiligt und das sollte nicht verschwiegen werden und daher greift die Einlassung Pauls zu kurz und blendet dies aus. Doch die Donauschwaben waren wohl nicht gänzlich alle in der Wehrmacht und haben Kriegsverbrechen verübt. Da gabs wohl verschiedene Strömungen und auch Widerstand, sowohl auch Frauen, Kinder, Alte. Tito hat, und das ist das nachfolgende Verbrechen, diese im Grunde gleich den deutschen Kriegsverbrechern in einen Topf geworfen und mitbestraft. Er wollte und hat diese Ethnie komplett vertreiben und dies gleichfalls mit grausamster Hergehensweise. Da stellt sich für mich nicht die Frage nach dem Ei und dem Huhn. Also sind in meiner Betrachtungsweise die Donauschwaben sowohl Täter, wie auch Opfer.

      Natürlich ist das Wort „völkisch“ negativ belegt und das wird und soll sich auch nicht ändern, aber ich finde ebenso, dass man die AfD nicht mit Faschisten gleichsetzen kann und darf. Es sind dort Menschen, die ich in Äußerungen und Verhalten als rechts einstufe und mir auch nicht gefallen. Es gibt aber auch jene, die konservative, liberale Positionen vertreten. Und es ist für mich nicht gerecht, diese als „Faschisten“ zu betiteln.

  3. Was soll die Aufregung? Marx war ein syphilitischer Hurenbock, der den Traum aller Linken – nämlich auf Kosten anderer – gelebt hat und dessen ökonomische Betrachtungen in der heutigen Zeit keinerlei echten Erklärungswert mehr haben. Irre jeder Ausprägung waren und sind in seinem Namen unterwegs und richten/richteten – wie Irre mit einfachen, platten, mundgerechten Parolen dies nun mal tun – immensen Schaden an. Die Stadt Trier ist in der Sonderstellung, daraus wenigstens noch ein Bisschen „Kasse“ machen zu können… ähnlich wie z.B. Hannover mit immer mal wieder stattfindenden Fritz Haarmann-„Events“ oder London, wo der „Ripper“ immer noch Touri-Magnet ist. Marx ist als Kuriosum und in seiner Zeit zu sehen, wer ihm heutzutage darüber hinausgehend Bedeutung zumisst, dem ist sowieso nicht zu helfen und sollte zwangsweise mind. 500 Seiten Marx’sches Geschwurbel lesen müssen…das hilft.

  4. @Sven Dahmen
    Dann vielleicht doch besser eine weniger „kritische Ausstellung“- Karl Marx als Faulenzer mit Geschlechtskrankheit bringt wohl nicht soviel Geld in die Kassen 🙂

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