Rallye-Weltmeister Ogier im Interview

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Bildquelle: wikipedia

TRIER. Angeführt von Weltmeister Sébastien Ogier konnte Volkswagen Motorsport 2015 einen historischen Dreifachsieg bei der ADAC Rallye Deutschland feiern. Auch in der aktuellen Saison ist der 32-Jährige das Maß aller Dinge: Gemeinsam mit seinem Co-Piloten Julien Ingrassia führt er aktuell die WRC-Wertung an. Von 18. bis 21. August, wenn die FIA Rallye-Weltmeisterschaft in Trier und Umgebung Station machen wird, zählt Ogier daher selbstverständlich zum Kreis der absoluten Top-Favoriten – zumal der Franzose als Ehemann der deutschen TV-Moderatorin Andrea Kaiser auch privat eine besonders enge Verbindung zu Deutschland hat. In München kam jetzt, am 13. Juni 2016, das erste Kind des Paares zur Welt. Ob das sein Fahrverhalten ändern wird und wie er die ADAC Rallye Deutschland sieht – dazu hat der ADAC mit Sébastien Ogier gesprochen.

Herr Ogier, zunächst einmal herzliche Glückwunsche an Sie und Ihre Frau zur Geburt Ihres Sohnes. Ihre Konkurrenten werden hoffen, dass Sie nun langsamer fahren. Was glauben Sie: Nimmt man als Vater den Fuß tatsächlich etwas früher vom Gas?
Sébastien Ogier (lacht): „Vielleicht hoffen die Konkurrenten, dass ich es jetzt etwas ruhiger angehen lasse. Aber eigentlich ist das Gegenteil der Fall: Jetzt, wo ich weiß, dass neben meiner Frau auch mein kleiner Sohn zu Hause wartet, werde ich noch mehr Gas geben, um schneller wieder daheim zu sein.“

2015 hat Volkswagen Motorsport den lang ersehnten ersten Heimsieg bei der ADAC Rallye Deutschland geholt. Gehen Sie den deutschen Lauf nun anders an? Mit weniger Druck?
Sébastien Ogier: „Die ADAC Rallye Deutschland ist für unser Team immer ein ganz besonderer WM-Lauf in der Saison, schließlich ist es das Heimrennen von Volkswagen. Von daher ist auch der Druck vielleicht etwas höher als sonst, weil wir hier den Fans immer besonders gute Leistungen zeigen wollen. Glücklicherweise haben wir unsere schwarze Serie letztes Jahr beendet. Der Sieg 2015 war für mich einer der wichtigsten meiner Karriere.“

Nach mehreren Schotter-Rallyes kehrt die WRC in Deutschland auf Asphalt zurück. Wie groß ist für Sie der Unterschied zwischen diesen beiden Belägen? Müssen Sie bei der ADAC Rallye Deutschland technisch anders fahren?
Sébastien Ogier: „Die Unterschiede fangen schon beim Set-up des Fahrzeugs an. Auf Asphalt ist der Polo R WRC beispielsweise viel härter abgestimmt, dadurch reagiert das ganze Auto insgesamt viel direkter. Und durch den höheren Grip hat man deutlich spätere Bremspunkte als Fahrer. Auf Schotter oder Schnee ist ein guter, fließender Rhythmus entscheidend, auf Asphalt fährt man etwas aggressiver.“

Erklären Sie doch bitte mal einem Laien, wie es sich anfühlt, mit so hoher Geschwindigkeit durch die Weinberge zu „fliegen“?
Sébastien Ogier: „Zunächst muss man sagen, dass die ADAC Rallye Deutschland unter den Asphalt-Rallyes einen einzigartigen Charakter besitzt. Der Unterschied beim Streckenbelag – zum Beispiel von der Panzerplatte zu den Weinbergen – ist enorm. Gleichzeitig ändert sich das Profil komplett, je nachdem ob es trocken oder nass ist – mehr als bei anderen Asphalt-Rallyes. Die Fahrt durch die Weinberge ist sicher einer der Höhepunkte für jeden Fahrer, denn die Straßen sind sehr schmal und gleichzeitig ist das Tempo extrem hoch. Jede Menge Adrenalin ist garantiert.“

Rallye-Fahrer müssen stark auf Gefühl und Antizipation vertrauen, um neue Situationen zu meistern. Wie trainieren Sie das? Geht das überhaupt?
Sébastien Ogier: „Kein Training ist so gut wie eine Rallye, aber es stimmt, als Rallye-Fahrer muss man besonders gute Multitasking-Fähigkeiten besitzen. Ich muss auf die Strecke schauen, das Auto am Limit spüren, die Daten im Blick haben und mich gleichzeitig auf die Kommandos meines Co-Piloten Julien Ingrassia konzentrieren. Daheim trainiere ich mit meinem Coach Übungen, die diese Art von reaktionsschnellem Multitasking verbessern.“

Bei den Überführungsetappen haben Sie doch sicher auch mal einen Blick für die Rallye-Region – was ist Ihnen da von Trier und Umgebung besonderes aufgefallen?

Sébastien Ogier: „Die gesamte Region rund um Trier und die Weinberge ist wirklich schön, aber leider haben Julien und ich wenig Zeit, die Landschaft zu genießen. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir der zeremonielle Start in Köln mit der beeindruckenden Kathedrale.“ (Anm. der Redaktion: 2013 fand der Show-Start der ADAC Rallye Deutschland vor dem Kölner Dom statt.)

Ihr Tipp für die Rallye-Fans bei der ADAC Rallye Deutschland: Wo und wann ist die beste Gelegenheit, um ein Autogramm von Sébastien Ogier zu ergattern?
Sébastien Ogier: „Die beste Gelegenheit ist bei der offiziellen Autogrammstunde am Donnerstagabend auf dem Hauptmarkt in Trier. Aber auch im Servicepark an der Volkswagen Hospitality schreiben wir, wann immer etwas Luft ist, gern Autogramme oder machen Selfies mit den Fans. Einmal kam sogar ein Fan vor unser Hotel mit seinem neuen Golf GTI und hat gefragt, ob ich auf seinem Armaturenbrett unterschreiben kann.“

Und bitte noch ein Weltmeister-Tipp: Wo kann man bei der ADAC Rallye Deutschland die spektakulärste Action sehen? Welche Wertungsprüfung würden Sie sich als Fan ansehen und warum?
Sébastien Ogier: „Ganz klar, die Panzerplatte! Erstens sieht man die Autos mehrmals vorbeifahren. Außerdem wird den Fans dort einiges geboten, von Konzerten über Interviews und Videos auf der großen Leinwand. Der Veranstalter macht dort echt einen tollen Job! Auch aus der Cockpit-Perspektive ist das ein Erlebnis, wenn man vor so einer großen Fankulisse auf der Prüfung unterwegs ist.“

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