Weniger Herzinfarkte durch Mathematik

0

Bildquelle: Universität Trier

TRIER. Eine Suchanfrage bei Google, das Navigationsgerät im Auto oder die Fahrplanauskunft bei Bus und Bahn – Algorithmen bestimmen unseren Alltag. Zahlreichen Prozessen und Funktionen, die unser Leben begleiten, liegen diese Handlungsanweisungen aus Nullen und Einsen zugrunde. Auch im Finanzsektor, in der Architektur oder in der Medizin sorgen Algorithmen für reibungslose Abläufe. Je mehr Faktoren auf dem Weg zur Lösung eines Problems
zusammenkommen, desto schwieriger sind Algorithmen zu berechnen. 

Hier setzt das Graduiertenkolleg „Algorithmische Optimierung“ (ALOP) an, das die Universität Trier jetzt mit einem Festakt eröffnet hat. In dem Verbund werden mehrere Professoren der Mathematik und der Volkswirtschaftslehre, 20 Doktoranden sowie weitere Wissenschaftler vier Jahre lang erforschen, wie sich Algorithmen verbessern lassen und wie sich mit Algorithmen Probleme besser lösen lassen. Für das Vorhaben hat die Universität Trier vier Millionen Euro bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) eingeworben.

Universitätspräsident Prof. Dr. Michael Jäckel stellte in seinem Grußwort die Bedeutung des Forschungsverbunds für die Universität Trier und die Region heraus: „Das Graduiertenkolleg ist ein wichtiges Element der Nachwuchsförderung und stärkt unseren Forschungsstandort.“ Für den Fachbereich IV, dem die Mathematik angehört, ist es gleich das zweite große DFG-Projekt, das Dekan Prof. Dr. Martin Endreß in diesem Sommersemester eröffnen darf: Im Juli nimmt die mit sieben Millionen Euro geförderte Forschergruppe „Resilienz“ ihre Arbeit auf. In seinem Grußwort hob der Soziologe die gesamtgesellschaftliche Bedeutung und Verantwortung der Mathematik hervor und sprach von Algorithmen als der neuen Weltsprache.

Prof. Dr. Volker Schulz, Sprecher des Graduiertenkollegs verwies auf das Zusammenspiel der verschiedenen Fächer und Institute: Neben der Mathematik und der Volkswirtschaftslehre leisten das Trier Center for Sustainable Systems, der Berufsverband für Angewandte Mathematik (Siam Student Chapter), das Ada Lovelace Projekt und das Graduiertenzentrum der Universität Trier (GUT) ihren Beitrag zu dem Forschungsverbund. Die beiden Letzteren sorgen für ein umfangreiches Begleitprogramm an Seminaren, Workshops und Mentoringangeboten für die Doktoranden, insbesondere auch in Hinblick auf die Förderung von weiblichen Nachwuchswissenschaftlern.

Unter dem Titel „Optimierung und Steuerung von Materialien und Prozessen“ erläuterte Festredner Prof. Dr. Günter Leugering, Professor für Angewandte Mathematik und Vize-Präsident an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg anhand von Beispielen die Einsatzmöglichkeiten von Algorithmen und die besonderen Herausforderungen an ihre Weiterentwicklung. Von Pipelines, durch die Flüssigkeiten unter verschiedenen Druckbedingungen über große Entfernungen und Hindernisse fließen kam er schließlich zum menschlichen Blutkreislauf. Wenn man mithilfe von Algorithmen berechnen kann, wie Rohre optimal konstruiert sein müssen, ließen sich die Ergebnisse auch auf Arterien anwenden – und so zum Beispiel Vorhersagen zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen ermitteln. Im Gegensatz zu Physikern, die mit Mathematik sozialisiert seien, bräuchten etwa Biologen hier dringend Unterstützung. Auch ganze Länder wie etwa in Südamerika hätten Nachholbedarf auf dem Gebiet der Algorithmen. Leugering ermunterte die Doktoranden daher ausdrücklich: „Gehen Sie ins Ausland, am besten im Rahmen der Arbeit am Graduiertenkolleg.“

Laura Somorowsky ist eine der Doktorandinnen. Die 25-Jährige optimiert in ihrer Promotion Algorithmen, um berechnen zu können, wie der Staat in seinem Haushalt sparen und gleichzeitig Wirtschaftswachstum erzielen kann. Auch wenn sie ihre Zukunft eher außerhalb der Wissenschaft sieht, wollte sie auf jeden Fall promovieren. „Die Trierer Mathematik bindet Studierende von Anfang an in die Forschungsarbeit ein und bereitet so optimal auf die Promotion vor.“ Sie freut sich vor allem über die interdisziplinäre Ausrichtung von ALOP und ist gespannt auf das begleitende Kursangebot.

Wer die Arbeit des Graduiertenkollegs genauer kennenlernen möchte, hat beim Campus Dialog Forschung die nächste gute Gelegenheit. Bei diesem Tag der Offenen Tür am Donnerstag den 21. April präsentieren verschiedene Institute der Universität ihre Forschungsprojekte, darunter auch das ALOP.

 

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Klarname ist nicht erforderlich. Eine E-Mail-Adresse muss angegeben werden, wird aber nicht veröffentlicht.