Erzählcafé an der Konstantinbasilika: Erinnern und Erzählen

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Bildquelle: Bistum Trier

TRIER.Persönliche Zugänge zu der Person des Heiligen Martin und Erinnerungen an die Martinszüge in Kindertagen – sie haben Platz im Café Basilika an der Konstantin-Basilika in Trier. Ehrenamtliche Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde laden zusammen mit Vertretern der Martinsgemeinschaft während der Heilig-Rock-Tage bei einer Tasse Kaffee zum Erinnern und Erzählen über St. Martin ein.

Es ist eine kleine Runde, die sich an diesem 10. April im Café zusammenfindet. Barbara Gitzinger (Erzdiözese Freiburg) als Vertreterin der Martinusgemeinschaft Deutschland hat den Part der Gastgeberin übernommen, zusammen mit Doris Wiegand von der evangelischen Kirchengemeinde, die an diesem Nachmittag ihre Zeit teilt und die Gäste bewirtet. Zeit teilen – schon ist die Runde mit Ellen Meyer aus Völklingen, Edith Hein aus Merzkirchen und einer Heilig-Rock-Wallfahrerin aus dem Bistum Trier mitten im Thema. Schließlich sei das Teilen ja das zentrale Thema, das mit der Person des Martin von Tours verknüpft ist. In frühen Kindergarten-Jahren lernen Kinder die Geschichte kennen, wie der Soldat Martin vor den Stadttoren von Amiens seinen Mantel mit dem frierenden Bettler teilt. Und alle Jahre im November finden landauf landab die Laternenumzüge statt. „Ich bin in Thüringen aufgewachsen in einer evangelischen Gemeinde. Dort gab es diese Martinsumzüge, allerdings in Erinnerung an Martin Luther“, berichtet Hans Georg Reuter, Initiator des Erzählcafés. Während die Frauen aus dem Bistum Trier diese Information mit Staunen vernehmen, führt Reuter aus, dass der Brauch in der Eifel bis nach dem zweiten Weltkrieg unbekannt war. Erst durch die Kindergärten habe er Verbreitung gefunden. Der erste Beleg für gesungene Martinslieder stamme hingegen aus Erfurt und datiere um 1600. Was also heute als feste Tradition erscheint, ist noch gar nicht so alt. Und doch erinnern sich die Café-Gäste bestens an die Martinszüge aus Kindertagen. „Laterne-Basteln und Martinslieder singen gehörte ab Mitte November einfach dazu“, erzählt Ellen Meyer. Schmunzelnd blickt Edith Hein zurück auf die Gänge der Dorfjugend in den Wald, um Totholz für das Martinsfeuer zu sammeln. „Tagelang sind wir mit dem Krummschlag, einer Art Sichel losgezogen, damit es ein ordentliches Martinsfeuer gibt in Merzkirchen – der Name übrigens ist auch abgeleitet von Martin.“ Ein junger Mann, der zufällig vorbeikommt, erkundigt sich nach dem Inhalt der Gesprächsrunde und trägt gleich persönliche Erinnerungen an Martinszüge bei. Seine Lieblingslaterne, so der 21-jährige, sei eine große Sonne gewesen, die aus Papier und Kleister um einen Luftballon gebastelt wurde.

Interessiert schauen sich Doris Wiegand und Edith Hein eine Karte der Martinswege im Bistum Rottenburg-Stuttgart an, die Barbara Gitzinger mitgebracht hat. „Ab Sommer wird es auf der Web-Seite der Martinsgemeinschaft einen Überblick über den gesamten europäischen Kulturweg geben, der im ungarischen Szomathely, der Heimatstadt des Heiligen Martin, beginnt und bis nach Tours führt.“ Von Bingen bis Wasserbillig geht die Mittelroute durch das Bistum Trier und führt zu historischen Martinsorten, an denen der Bischof von Tours vor über 1600 Jahren verweilte. Das Erzählcafé zu St. Martin im Café Basilika neben der Konstantin-Basilika ist während der Heilig-Rock-Tage vom 8. bis 17. April von Dienstag bis Samstag jeweils zwischen 14 und 16 Uhr geöffnet. Informationen über das Martinsjahr im Bistum Trier gibt es unter www.martinsjahr.bistum-trier.de

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