US-Sanktionen machen Arme in Zielländern noch ärmer

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Bildquelle: Universität Trier

TRIER. Wirtschaftssanktionen sind in der internationalen Politik ein wichtiges Instrument, um die Politik in einem Zielland durch wirtschaftlichen Schaden zu beeinflussen. Kritiker befürchten, dass sich die Sanktionen zwar gegen Regierungen richten, aber hauptsächlich die Bevölkerung und insbesondere ärmere Schichten darunter leiden. In einer Untersuchung haben Juniorprofessor Dr. Matthias Neuenkirch (Universität Trier) und Dr. Florian Neumeier (Universität Marburg) diese Befürchtungen bestätigt. Am Beispiel der Vereinigten Staaten haben sie herausgefunden, dass US-Sanktionen in den Zielländern tatsächlich zu größerer Armut führen. Der negative Effekt verschärft sich, wenn sich andere Staaten oder internationale Organisationen an den Sanktionen beteiligen.

Neuenkirch und Neumeier finden heraus, dass die „Armutslücke“ in sanktionierten Ländern um 3,8 Prozentpunkte höher ist als in der nicht sanktionierten Kontrollgruppe. Die Armutslücke beschreibt den mittleren Abstand der verfügbaren Haushaltseinkommen der armen Bevölkerung zur Armutsgrenze. Dies ist auch vor dem Hintergrund besonders unfair, dass das herrschende Regime oftmals nicht demokratisch gewählt wurde. Darüber hinaus arbeiten die beiden Autoren heraus, dass die Konsequenzen im Hinblick auf die Armut größer sind, wenn sich weitere Staaten oder internationale Organisationen den Sanktionen anschließen. Schließlich stellen die Wissenschaftler auch fest, dass die Entwicklungshilfe für die sanktionierten Länder und das Handelsvolumen in den Zielländern zurückgehen.

In der im „Journal of Development Economics“ erschienenen Studie untersuchen der Juniorprofessor an der Universität Trier und der Postdoktorand an der Philipps-Universität Marburg diese Effekte, die bis dato nur durch qualitative Evidenz anhand einzelner Länderstudien unterstützt waren. Auf der Basis eines umfangreichen Datensatzes für den Zeitraum 1982–2011 untersuchen sie den Einfluss auf Länder, die tatsächlich US‐Sanktionen ausgesetzt waren. Diese Länder setzen sie in Vergleich zu einem mit Hilfe eines „Matching-Ansatzes“ gewichteten Datensatz von Ländern, die der erstgenannten Gruppe sehr ähnlich sind, aber keinen US‐Sanktionen ausgesetzt sind. Damit wird sichergestellt, dass die Unterschiede zwischen den beiden Gruppen nur durch US-Sanktionen verursacht werden und nicht durch die in den sanktionierten Ländern typischerweise schlechtere politische und ökonomische Situation.

Der vollständige Aufsatz kann hier abgerufen werden:

www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0304387816300177

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