Bei Kaffee und Kuchen Kontakte knüpfen

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Bildquelle: Bistum Trier

Um Punkt 15 Uhr trudeln die ersten Gäste ein. Begrüßt werden sie mit einem freundlichen „Herzlich Willkommen“. Viele reichen die Hand, andere verteilen Wangenküsse. Im Fetzen-Café formieren sich kleine Männergruppen um die liebevoll eingedeckten Bistrotische, alle Stühle sind belegt. Gäbe es nicht Kaffee, Tee und Gebäck, so könnte man meinen, es sei ein typischer Kneipen-Stammtisch – nur ruhiger, gesitteter.
Ein buntes Durcheinander männlich duftender Aftershaves mischt sich unter den Kaffeegeruch. Nebenan, eine Tür weiter im Gemeindezentrum St. Augustinus ist es lauter, bunter, wilder: Kinder spielen Fangen und Verstecken, messen sich im Memory, ziehen eine Spur mit Kuchenkrümeln hinter sich her. Der Duft frisch gebackener Waffeln liegt in der Luft. Auch hier ist kaum ein Platz frei: Ein fünf Wochen altes Baby wird gefüttert, junge syrische und irakische Familien sitzen neben deutschen Rentnern, Firmlingen und Familien. Alle sind willkommen. Rund 70 Besucher sind am 19. März der Einladung ins Willkommens-Café des Arbeitskreises „Willkommenskultur Gemeinde Edith Stein“ in Trier-Tarforst gefolgt.

Seit Dezember 2015 organisiert der Arbeitskreis einmal im Monat das Café. Einander begegnen, sich austauschen, kennenlernen, die Sprache fördern. „Als in das Burgunderviertel am Petrisberg rund 130 Flüchtlinge zogen, war uns gleich klar, dass wir die Menschen gerne integrieren möchten“, sagt Daniela Standard, Gemeindereferentin der Pfarrei Heilige Edith Stein. Zusammen mit etwa 15 Ehrenamtlichen aus der Gemeinde kümmert sie sich um ausreichend Verpflegung, die Bewirtung und auch um einen Abholservice. Die Koordination läuft über Doodle-Listen, die Finanzierung über Spenden. Und jedes Mal lernen Organisatoren und Teilnehmer voneinander. „Wir haben schnell gemerkt, dass den Flüchtlingen unser Kaffee nicht so schmeckt“, sagt Standard. „Und sie haben gefragt, ob wir Deutsche nur Süßes essen würden – seitdem gibt es auch Tee und herzhafte Snacks.“

Zu den Ehrenamtlichen gehört auch Huda. Die 30-Jährige Irakerin spricht fließend Deutsch und fungiert als Übersetzerin. Vor 16 Jahren kam sie als Flüchtling nach Deutschland. Heute ist sie verheiratet mit einem Deutschen, hat einen zweijährigen Sohn und arbeitet als Arzthelferin. Sie möchte ihre Erfahrungen weitergeben und „für die Flüchtlinge da sein“.

Aus dem anfänglichen Beschnuppern und Kennenlernen sind mittlerweile Freundschaften entstanden. So wie zwischen Michael Brill und dem Syrer Ammar. Die beiden sitzen an einem Tisch, Kaffee und Kuchen sind nebensächlich, Kommunikation steht im Vordergrund. Der 20-jährige Ammar ist seit sechs Monaten in Trier und wohnt mit fünf anderen jungen Syrern zusammen. Brill besucht sie, sie kochen Arabisch und essen gemeinsam. Er lernt mit ihnen das deutsche Alphabet, sie bringen ihm das Arabische bei. „In den Medien ist von tausenden von Flüchtlingen die Rede. Hier im Café lerne ich den Einzelnen kennen“, sagt Brill. „Google Translate“ hilft bei der Sprache, über Whatsapp kommunizieren sie und verabreden sich. Brill hat die Syrer auch schon zu sich nach Hause eingeladen. „Bei ihm fühle ich mich extrem wohl“, sagt Ammar. „Alle gehen hier so respektvoll mit uns um.“ Deswegen komme er auch so gerne ins Café. Jeder sei willkommen, ob Flüchtling oder Einheimischer. „Edith Stein steht für Willkommenskultur“, sagt Standard. „So geben wir unserer Pfarrei ein Gesicht.“

Die nächsten Termine:
Samstag, 23. April, 21. Mai, 18. Juni jeweils von 15 bis 17 Uhr im Fetzen-Café und im Gemeindezentrum St. Augustinus, Im Treff 15, Trier-Tarforst.

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