Lea Jörg macht im Café Bär in Trier-West ihren Freiwilligendienst

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Bildquelle: Bistum Trier

TRIER. Leas Dutt sitzt schief, sagt eine Bedienung und zieht Lea damit auf. Beide lachen. Eine zweite Servicekraft kommt hinzu und lacht mit. Lea trägt Dreadlocks mit blonden Extensions, hoch zusammengebunden – es sieht fast aus wie ein Bienenkorb – dazu einen kurzen Pony. Ein guter Umgang mit den Teilnehmern im Café Bär in Trier-West gehört auch zur Arbeit von Lea Jörg, die dort ein Freiwilliges Soziales Jahr macht. Das Begegnungszentrum für Stadtteilbewohner mit Frühstücksbuffet und Mittagstisch ist zugleich Beschäftigungsmöglichkeit für junge Langzeitarbeitslose oder Ausbildungssuchende. Diese werden als Teilnehmer des Projektes „Job-in-West“ in den Bereichen Hauswirtschaft, Gastronomie, Wäschepflege und Verwaltung an einen geregelten Arbeitsalltag herangeführt.

Trotz ihres jungen Alters trägt die 17-jährige Lea bereits viel Verantwortung. Die Konzerin ist Bezugsperson für die Teilnehmer, die zumeist Mitte 20 sind. „Ich möchte ein Verhältnis auf Vertrauensbasis“, sagt sie. „Ich muss aber auch Autorität ausstrahlen.“ Das sei nicht immer so einfach. Die jungen Leute kämen aus schwierigen Verhältnissen. Viele seien ohne Ausbildung, manche ohne richtiges Zuhause, dafür mit Gewalt aufgewachsen, andere hätten Schulden, psychische Probleme. Der richtige Umgang mit ihnen sei „die größte Herausforderung“ ihrer Arbeit im Café und mache die Sache sehr spannend und abwechslungsreich. „Kein Tag ist wie der andere.“

Lea trinkt gerne Kaffee – aber weniger im Café, vielmehr am Schreibtisch, denn sie ist überwiegend in der Verwaltung tätig. Am Morgen kontrolliert sie die Anwesenheitsliste derjenigen, die vom Jobcenter zugeteilt werden. Sie führt Bonusliste, mit der die Teilnehmer für besonderen Arbeitseinsatz ein Extrageld verdienen können. Und sie schaut nach passenden Stellenanzeigen und schreibt Bewerbungen mit ihnen. Davon profitiert auch sie. „Jetzt weiß ich zum Beispiel, dass der Lebenslauf heute eher amerikanisch geschrieben wird.“ Auch Lea hat ihre ersten Bewerbungen geschrieben – für eine Ausbildung zur Industriekauffrau. Die kaufmännische Arbeit im Café mache ihr besonders viel Spaß. „Das FSJ hilft mir, meinen Weg zu finden. Ich weiß jetzt was ich will“, sagt sie selbstbewusst.

Nach der elften Klasse hatte sie „keine Lust“ mehr auf Schule, sagt Lea, die lieber „etwas Praktisches“ machen wollte. „Aber was, wusste ich damals auch nicht.“ Weil es für eine Ausbildung zu spät war, hat sie sich bei den Sozialen Lerndiensten im Bistum Trier für ein FSJ beworben. Seit dem 1. September besucht sie ergänzend zu ihrer Arbeit im Café mit anderen FSJlern Seminare in Kyllburg. „Da mag ich die Kreativangebote ganz besonders“, sagt Lea, die in ihrer Freizeit gerne malt. Rosen als kleine Kunstwerke auf ihren Fingernägeln, eine blumige Bluse und knallige Schuhe – neben ihrer Frisur lässt auch ihr Kleidungsstil das kreative Potenzial der modebewussten FSJlerin erahnen.

Einrichtungsleiterin Ingrid Schmitt ist nicht nur von Leas Persönlichkeit und ihrem Geschmack begeistert: „Sie ist ausnahmslos in allen Bereichen einsetzbar.“ Wenn morgens nicht genug Teilnehmer erscheinen, um Frühstück oder Mittagessen zu stemmen, springt die aufgeweckte junge Frau selbst ein. Wie selbstverständlich, höflich, mit einem Lächeln auf den Lippen. Das steckt an. Sie verteilt nicht einfach Flyer im Café, sie kommt mit den Damen, die sie mit Namen kennen, ins Gespräch, gibt ihre gute Laune auch an sie weiter und zaubert ihnen ein Lachen ins Gesicht.
Bewerbungen für ein FSJ oder einen BFD können an die Sozialen Lerndienste oder direkt an die Einsatzstelle gerichtet werden. Weitere Informationen gibt es bei den Sozialen Lerndiensten im Bistum Trier, Dietrichstraße 30a, 54290 Trier, Tel.: 0651-993796-302, E-Mail: info@soziale-lerndienste.de, unter www.soziale-lerndienste.de und unter www.facebook.com/soziale.lerndienste.

Info Café Bär:
Das Café Bär in der Bärenfeldstraße in Trier-West bietet neben einem Treffpunkt vor allem Qualifizierungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten für benachteiligte junge Menschen. Seit 2008 ist das Café Teil des Projekts „Job-in-West“, das aus Mitteln des Bund-Länder-Programms „Soziale Stadt“ unter Beteiligung von Stadt, Arge Trier und Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) finanziert wird. Caritasverband Trier, Jugendhilfezentrum Don Bosco Helenenberg und Bürgerservice unterstützen junge Menschen bei der Berufsorientierung, -vorbereitung und -qualifizierung.

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