Flüchtlinge, Migranten und Einheimische kochen und backen gemeinsam

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Bildquelle: Bistum Trier

PRÜM. Ofen auf, Blech rein, Ofen zu. Rund 20 Frauen wuseln in der Schulküche der ehemaligen Prümer Hauptschule. Hengameh Habibi (36) arbeitet mit Maryam Shamiri (52) an süßen iranischen „Zungen“ – mit Blätterteig, Safran und Honig. Ihnen gegenüber sticht Haba Al-Mohammed (25) mit ihren drei Kindern Melek (5), Riham (4) und Hamsa (2) Hefeplätzchen aus. Und Leyla Kahraman (63) formt Schokobällchen. „Nationen an einem Tisch“ heißt ein Projekt des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB) in Prüm. Viermal im Jahr treffen sich Frauen aus verschiedenen Nationen in Prüm zum Kochen, Backen und gemeinsamen Essen – egal, ob sie bereits seit Jahren in Deutschland leben, wie Kahraman, die vor 44 Jahren aus der Türkei kam, oder erst vor ein paar Wochen, wie Al-Mohammed, die vor vier Monaten aus Syrien nach Deutschland floh.

„Wer gerne mit uns kocht und backt, darf teilnehmen“, sagt Petra Schweisthal vom KDFB. „Wir sind einfach eine bunte Tischgemeinschaft“. Und dabei geht es über das Kochen und Backen hinaus. Das Treffen dient auch der Vernetzung und der Information. „Gerade habe ich jemanden auf einen Integrationskurs aufmerksam gemacht“, sagt Schweisthal. Zudem gebe es kulturellen Austausch – von der Frage, wie in Deutschland genau Weihnachten gefeiert werde, bis zum Tauschen von Rezepten. Oft schnuppern die Frauen auch an den mitgebrachten Gewürzen der anderen. „Man entdeckt dabei oft bekannte Düfte, aber die Mischung ist uns fremd.“

Leyla Kahraman ist schon seit dem Start des Projektes vor rund 13 Jahren dabei. „Und ich komme immer wieder gerne“, sagt sie. Die 63-Jährige kam als junge Frau nach Deutschland, ist gut integriert. „Aber ich lerne trotzdem immer wieder was Neues und kann meine Sprache auch immer verbessern“, sagt sie. „Ich wollte mir das mal anschauen“, sagt Haba Al-Mohammed. Die junge Syrerin ist zum ersten Mal dabei und ist erst vor wenigen Wochen in Pronsfeld in der Eifel untergekommen. Von einer anderen Teilnehmerin, Mona Wallesch, hat sie von „Nationen an einem Tisch“ erfahren. „Den Kindern und mir macht es Spaß. Ich glaube, ich komme wieder“, sagt Al-Mohammed auf Arabisch – und Wallesch übersetzt für sie. „Die Sprache ist kein Problem hier“, sagt Petra Schweisthal. „Und zur Not verstehen wir uns mit Händen und Füßen.“

Deutschland, Iran, Holland, Polen, Syrien oder Togo. Nicht nur die Mischung der Zutaten ist vielfältig, sondern auch die der Teilnehmerinnen. „Es ist einfach schön, dass wir hier so zusammenkommen“, sagt Maryam Shamiri. Gemeinsam mit ihrer Freundin Hengameh Habibi kommt die Iranerin öfter zu „Nationen an einem Tisch“. Auch ihre Tochter Yasmin (13) ist meistens mit dabei. „Sie ist praktisch hier großgeworden“, sagt Shamiri. „Es ist einfach schön, dass es die Möglichkeit gibt, sich hier zu treffen“, sagt Shamiri. Habibi öffnet den Ofen und holt die iranischen „Zungen“ heraus. Einige Frauen decken den Tisch. Dann wird das Gekochte und Gebackene aufgetragen. „Mmh“, sagt Habibi. „Egal ob polnisch oder persisch, es ist alles lecker.“

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